Land-Mama Lisa: “Niemand startet als Profi ins Mama-Business”

Interview

Auch das Muttersein ist eine Reise. Vielleicht nicht ganz bis nach Kolumbien (hier seht Ihr Lisa in Medellin), aber doch mit zahlreichen (Reise)-Highlights, Orientierungsschwierigkeiten und ganz viel Neuland. (Foto: privat)

Drei Kinder, ein bekannter Blog (Stadt, Land, Mama), ständig als Mama-Taxi im Auto unterwegs und dann mit “WOW MOM” und zusammen mit ihrer Freundin und Kollegin Katharina Nachtsheim auch noch ein Buch, das Müttern im ersten Babyjahr Mut machen soll. Wir haben mit Land-Mama Lisa Harmann im Rahmen unserer neuen Interview-Reihe “Elternzeit” dieses tolle Interview geführt, in dem es nicht nur um Babys geht, sondern auch um sich verändernde Freundschaften und die Mutter-Gefühle geht, wenn die Kinder etwas größer sind, statt Babypuder bereits Deo benötigen und die Krabbeldecke dem Fußballplatz weicht.

Katharina Nachtsheim (l.) und Lisa Harmann sind Freundinnen und Co-Autorinnen. Ihr Mama-Mutmacher “Wow Mom” ist bereits in der dritten Auflage erschienen. (Foto: Charles Yunck)

Der Erfolg von “WOW MOM”

Liebe Lisa, Euer Buch „WOW MOM“ ist mittlerweile in der dritten Auflage erhältlich. Hättet Ihr gedacht, dass Ihr mit Eurem Buch so vielen Müttern aus der Seele sprecht?

Ohhh, wir haben es gehofft! Aber jeder kennt sie ja, die Unsicherheiten innerhalb von kreativen Schaffensphasen und irgendwann haben wir dann gesagt: Wenn wir mit diesem Buch auch nur einer Mama ein bisschen Last von den Schultern nehmen können, wenn wir nur einer Mut machen können, wenn nur eine sich nach dem Lesen verstandener fühlt – dann hat sich alles gelohnt.

Und es ist nun mehr als eine geworden: die Rückmeldungen, die wir zu WOW MOM (hier geht es zur Kitamaus-Rezension zu “WOW MOM”) bekommen, sind unbeschreiblich und wunder-wunderschön… so gerührt und dankbar.

Besonderer Clou: Das Cover von “WOW MOM” lässt sich mit Feuchttüchern abwischen. (Cover: Fischer Krüger / Buchfoto: Nadine Jansen)

Emotionen frisch gebackener Mütter

Glücklich, verzweifelt, wütend, motiviert – sieht sich eine frisch gebackene Mutter wirklich mit so vielen verschiedenen Emotionen konfrontiert? Und kann sie sich das als Mama überhaupt erlauben?

Wir wissen natürlich nicht, ob es jeder Mutter so ergeht, aber wir selbst haben nie wieder eine solche emotionale Achterbahnfahrt erlebt wie in dieser umwälzenden Zeit nach der Geburt des ersten Kindes. Ob wir uns das erlauben können steht da ja gar nicht zur Debatte, die Gefühl brechen ja ungefragt über uns hinein. Nie hatten wir so viel Verantwortung, nie haben wir so etwas Großes erschaffen, nie hatten wie so viel Stolz und Verzweiflung und Liebe auf einmal. Wir geraten in eine emotionale Ausnahmesituation zwischen Moltontüchern und Schreien und Zukunftsangst und Milchflecken und Müdigkeit und Schmetterlingen im Bauch. Dieses gleichzeitige Über- und Unterfordertsein, diese Sorge bei größter Liebe darauf kann sich einfach niemand vorbereiten.

Zwischen Unsicherheit und großer Verliebtheit: Auch Lisa Harmann kennt das Gefühlschaos aus dem ersten Babyjahr. (Foto: privat)

Welche Mutmacher hättest Du persönlich in der ersten Zeit mit Baby benötigt?

Nun, ich glaube, wir sind einfach nicht als Einzelkämpfer geboren. Wie dieses schöne afrikanische Sprichwort schon sagt: Es braucht ein Dorf um ein Kind großzuziehen. Da es hierzulande aber kaum noch Großfamilien gibt, sitzen viele Mütter mit ihren Babys allein zu Hause, herauskatapultiert aus ihrem bisherigen Leben, in dem sie abends rausgingen, um Freunde zu treffen, in dem sie morgens arbeiten gingen und ihre Kollegen um sich herum hatten. Ich brauchte in meiner ersten Zeit vor allem Menschen um mich herum, auch Menschen, die ebenfalls Babys hatten, um mich mit ihnen auszutauschen. Denn als ich mit 23 zum ersten Mal schwanger wurde, hat noch niemand aus meinem Freundeskreis mitgemacht (frech!). Also meldete ich mich bei Babykursen an und lernte dann schnell andere Mütter kennen, was mir unheimlich guttat.

Als ich dann mit 25 auch noch mit Zwillingen schwanger wurde (unsere Familien wohnten 600 km entfernt und konnte also auch nicht zur Hilfe einspringen), habe ich direkt vorgesorgt und mir eine Mütterpflegerin organisiert. Sie hat mich massiert, gesund für mich gekocht und einfach mal wieder MICH in den Vordergrund gerückt und nicht das Baby. Genau das versuchen wir ja auch mit unserem Buch. Einen Platz für die MAMA zu schaffen, weil sie viel zu oft übersehen wird. Darum steht vorn als Widmung auch einfach ein: FÜR DICH.

Wird es nach dem ersten Babyjahr einfacher?

Deine und Katharinas Kinder sind zwischen drei und 13 Jahre alt. Habt Ihr auch jetzt noch Momente, in denen Euch alles zu viel wird? Oder wird nach dem ersten Jahr mit Kind, um das es ja in Eurem Buch geht, alles viel entspannter?

Selbstverständlich, täglich fünf Mal ungefähr 😉 Die Themen werden natürlich andere, die Sorgen auch. Wir können mittlerweile durchschlafen (bis heute das SCHÖNSTE nach arger Schlafmangel-Traumatisierung mit drei Kindern unter zwei Jahren). Aber jetzt verhandeln wir mit der 13-Jährigen über Partys, die bis 0 Uhr gehen, mit den Elfjährigen über Medienzeiten, mit der Neunjährigen über die weiterführende Schule, mit dem Sechsjährigen über Waffen im Kinderzimmer und mit der Dreijährigen über eine oder zwei Folgen Peppa Wutz. Jedes Alter bringt seine Herausforderungen mit sich. Meine Nachmittage verbringe ich zum Beispiel mittlerweile nicht mehr auf Spielteppichen, dafür viel im Auto, weil die Wege hier auf dem Land weit sind und ich zwischen Tennishalle und Fußballplatz und Kindergeburtstag und Kieferorthopädin hin- und herrotiere. Aber jede Phase hat was. Was ich zum Beispiel gerade sehr genieße ist, dass es nach Jahren des Krawalls grad etwas ruhiger an der Geschwisterstreitfront geworden ist. Man weiß die Ruhe ja immer erst zu schätzen, wenn sie mal abhanden gekommen war. IST DAS SCHÖN grad! Überhaupt diese Erwachsenengespräche, die man führt, die Interessen – das ist schon alles ganz schön toll, dass wir das miterleben dürfen…

Wenn Freundschaften sich verändern…

Freundschaften verändern sich durch Lebensumstände. Sollte man es als Freundin ansprechen, wenn die abenteuerlustige Freundin, mit der man früher ständig auf der Piste war, sich kaum noch blicken lässt, weil sie auf gemeinsames Programm mit Baby keine Lust hat? Und darf man der frisch gebackenen Mutter unverblümt mitteilen, dass man auch noch über etwas anderes als nur über das Baby sprechen möchte?

Lisa voller Stolz mit ihrer kleinen Tochter, die mittlerweile übrigens bereits ein Teenager ist. (Foto: privat)

Heiei, das sind so individuelle Dinge, dass wir da gar keinen allgemeinen Tipp geben können. Da braucht es viel Fingerspitzengefühl und bloß keine Übergriffigkeit. Alles muss ja neu finden, wenn ein neuer Mensch in dein Leben tritt und so kommen bestimmt auch neue Freunde hinzu und andere Freundschaften schlafen vielleicht erstmal ein. Und werden womöglich wieder aufgewärmt, wenn sich dann auch da Nachwuchs ankündigt. Ich zum Beispiel hab meine kinderlose Freundin zur Patentante der Tochter gemacht und wir haben bis heute ein super Verhältnis, weil sie sich genauso für mein Leben wie ich mich für ihr Leben interessiere (mehr dazu könnt Ihr hier nachlesen: https://www.stadtlandmama.de/content/die-eine-hat-kinder-die-andere-nicht-kann-eine-freundschaft-dann-noch-funktionieren). Wir lassen aber auch im Buch eine Leserin zu Wort kommen mit einem Brief an die beste Freundin (per Link-Klick zum Brief), die ein so wahnsinnig anderes Leben führt.

Und wie ist das mit der Karriere?

Ist es legitim, dass einem das Leben vor den Kindern ab und an fehlt oder dass man damit hadert, dass frühere Kollegen Karriere machen, während man selber seine Zeit mit dem Wechseln von Windeln und Krabbelgruppen verbringt?

Ach, alles andere wäre doch auch komisch. Wir sind ja keine gefühllosen Eisbrocken. Wir mochten ja unser altes Leben! Und nun fühlt sich plötzlich alles neu und wackelig an und wir müssen uns erstmal zurechtfinden. Niemand startet schließlich als Profi ins Mamabusiness. Statistisch gesehen brauchen Mütter ca. fünf Monate, bis sie in der Mutterrolle ankommen. Tatsächlich erwähnen das ganz viele Wow Mom-Leserinnen in ihren Rückmeldungen. Dass es ihnen so gut tat, zu lesen, dass andere auch erstmal etwas brauchen, um das neue Leben für sich zu akzeptieren. Wir möchten aber auch da Mut machen. Irgendwann kommt er, der Tag, an dem wir denken: Huch, mich gibt es ja auch noch! Jetzt ist es genau das Leben, das ich so wollte! Mit einem wahnsinnig tollen Kind, aber eben auch noch mit der Frau, die ich vorher war. Denn die mag zwar erstmal ruhen zwischen all den Windelbergen, aber die geht ja nicht verloren! Irgendwann kommt sie wieder raus – und das meist sogar gestärkt, weil sie weiß was sie hat und was sie schaffen kann.

Um einmal die andere Perspektive zu beleuchten: Gibt es etwas, dass Dir aus dem ersten Jahr mit Baby fehlt?

Oh ja, der Duft des Babyköpfchens! Dieses Staunen, dieses unglaubliche Frisch-Verliebtsein, diese niedlichen Geräusche… Der Babyspeck. Hach, da müssen wir doch gleich nochmal ins Babyalbum schauen… lang, lang ist´s her. Heute brauchen sie schon alle Deo! 😉

Katharina und Lisa arbeiten bereits an weiteren Ideen. Ihr dürft gespannt sein! (Illustration: Kera Till)

Eine letzte Frage noch: Wie wäre es eigentlich mit einem Mutmacher-Buch für Mütter, deren Kinder keine Babys mehr sind?

Ha! Das wäre doch DIE Idee, oder? Sagen wir so: Die Ideen sind schon da… wer weiß also, was als Nächstes kommt. Das wissen wir im Leben mit Kindern ja auch nie. Und das macht die Sache ja auch einfach dauerhaft so wahnsinnig spannend…

Vielen Dank für das nette Interview, Lisa – und Euch beiden weiterhin viel Erfolg mit Eurem Buch und ebenso viele schöne und positive Rückmeldungen wie bislang! 

Das hier ist der Mama-Mutmacher “WOW MOM”

  • Titel: “WOW MOM: Der Mama-Mutmacher fürs erste Jahr mit Kind”
  • Autorinnen: Lisa Harmann / Katharina Nachtsheim
  • Verlag: FISCHER Krüger
  • Seitenzahl: 256 Seiten
  • ISBN: 978-3810530721
  • Preis: 16,99 Euro

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Nadine
Über Nadine 292 Artikel
Freie Journalistin, Redakteurin sowie Geprüfte Übersetzerin für Italienisch - und Mama einer zweijährigen Kitamaus, die das Leben ganz schön spannend macht.

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