Der Schnuller und seine Folgen: Eine Zahnspange ist oft vorprogrammiert

Schnuller sollten die Zungenlage so wenig wie möglich stören. (Foto: lagom / Adobe Stock)

Die kleine Maggie aus den Simpsons nuckelt dauerhaft an ihrem Schnuller. Linus von den Peanuts lutscht am Daumen und pfriemelt an seiner Kuscheldecke herum – Babys und Kleinkinder lassen sich scheinbar mit Nuckeln am besten beruhigen. Doch aus logopädischer Sicht behindert jeder Fremdkörper im Mund die Zungenbeweglichkeit, schränkt den Mundschluss ein und kann zu einem falschen Schluckmuster führen.

So schlucken Säuglinge

“Wenn Kinder weder Schnuller noch Daumen oder etwas anderes zum Nuckeln oder Beruhigen brauchen, ist das natürlich am schönsten”, so die examinierte Logopädin Stephanie Elvering, die im schleswig-holsteinischen Fockbek eine eigene Praxis leitet. Bei Kindern, die lange und ausdauernd einen Schnuller benutzten oder am Daumen nuckelten, könne es zu einem so genannten “lutschoffenen Biss” der Milchzähne kommen. Dadurch werde die ungünstige Zungenlage im vorderen unteren Bereich direkt an oder zwischen den Zähnen verstärkt, die wiederum ein falsches Schluckmuster begünstige. “Säuglinge schlucken durch eine Vor-Rück-Bewegung der Zunge”, erklärt Elvering. “Dieses juvenile Schluckmuster wird in den ersten Lebensjahren normalerweise vom adulten Schlucken abgelöst, bei dem die Zungenspitze hinter die oberen Schneidezähne gebracht und der Zungenmittelteil an den Gaumen angesaugt wird.” Diese Umstellung aber bleibe bei Schnuller- und Nuckelkindern oft aus. “Dann ist die Zahnspange leider vorprogrammiert.” Durch die fehlende Zungenbewegung nach oben werde auch der Gaumen nicht richtig ausgeformt und abgeflacht, sondern bleibe recht eng und spitz. Dieser auch als “gotisch” bezeichnete Gaumen wiederum erschwere das korrekte Schluckmuster zusätzlich. “Das ist wirklich ein Teufelskreis”, so die Logopädin, die selbst Mutter zweier Kleinkinder ist.

© Praxis für Logopädie Elvering

Unterschiedliche Ausprägung der Folgen

Zwar hänge die Ausprägung der Folgen des Nuckelns oder des Gebrauchs eines Schnullers stark von der Kontinuität und der Häufigkeit der Verwendung ab, doch solle man nach Möglichkeit ganz auf einen Schnuller verzichten. Einzige Ausnahme: Das Kind beginnt, an den Fingern zu nuckeln. Dann könne es durchaus angebracht sein, als Alternative einen Schnuller anzubieten, da man das Kind von diesem später leichter entwöhnen könne.

Welcher Schnuller ist angebracht?

Doch welcher Schnuller ist überhaupt angebracht? “Wichtig ist es, hier ein Modell zu wählen, das die Zungenlage so wenig wie möglich stört”, betont Elvering. Das sei am ehesten bei Schnullern der Marken NUK oder MAM der Fall. Letztere deshalb, weil sie einen schmalen Steg zwischen den Lippen hätten, so dass der Mundschluss fast gegeben sei. Doch auch hier: “So lange das Kind es mitmacht, sollte man bei der kleinsten Größe bleiben. Es gibt aus logopädischer Sicht keinen Grund, auf größere Modelle umzusteigen, wenn das Kind wächst.” Je weniger sich im Mund befinde, umso besser. Auch mit einem Werbetrick räumt die Logopädin gleich auf: “Es gibt übrigens keine Schnuller, die einen positiven Effekt auf das Kieferwachstum haben, wie das manche Packungsaufschriften suggerieren.” Kein Schnuller sei zudem immer das Optimum.

Ist das Kind aber an einen Schnuller gewöhnt, so solle man diesen so früh wie möglich wieder abgewöhnen oder aber auch nur noch zu bestimmten Zeiten anbieten. Das könne zum Einschlafen sein oder aber auch bei langen Autofahrten. Besonders konsequent solle man von Anfang an beim Sprechen sein. “Nimm den Schnuller zum Sprechen raus, sonst verstehe ich dich gar nicht”, solle Kindern schon früh verdeutlichen, dass der Schnuller auf keinen Fall im Mund bleiben dürfe, wenn man etwas mitteilen wolle.

 

-nja-
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Freie Journalistin, Redakteurin sowie Geprüfte Übersetzerin für Italienisch - und Mama einer zweijährigen Kitamaus, die das Leben ganz schön spannend macht.

2 Kommentare

  1. Meine kleine Schwester hat lange einen Nuku zwischen den Lippen gehabt. NUK war auch die Firma, die meine Eltern bevorzugten. Allerdings hat es nichts daran geändert, dass sie doch noch eine Zahnspange bekam. Es auf den Schnuller zu schieben, wäre aber doch zu einfach.

    • Das stimmt, da spielen immer viele Faktoren mit rein. Wenn man einen (z. B. einen weniger geeigneten Schnuller) ausschließt, kann es ja immer noch andere Ursachen geben. Gut, dass so oder so niemand mit ungewollt schiefen Zähnen durch die Gegend laufen muss. 🙂

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