Leben im Sperrgebiet: So läuft das mit dem Online-Unterricht für Kitakinder

Es hat tatsächlich geklappt: Der erste Online-Unterricht für Kindergartenkinder. Nicht ganz einfach und mit viel Chaos, aber die Kleinen haben sich definitiv gefreut, einander endlich wiederzusehen und auch mit ihrer Kunsterzieherin gemeinsam zu arbeiten. Dass wir rechtzeitig online waren, habe ich übrigens nur einer Freundin zu verdanken (danke, Angela), die mich rechtzeitig ins System eingewiesen hat. Wir waren sogar pünktlich. ?

Gruppenstunde per Bildschirm

Normalerweise hätten die Kinder auf einem Langflor-Teppich gesessen, hätten ein bisschen von den Geschehnissen des Vortags berichtet, ihre Magneten als Zeichen der Anwesenheit an die Gruppentafel gehängt und hätten sich dann zum “Happy Song” so richtig ausgetobt. Heute stattdessen stillsitzen vorm Bildschirm. Nicht ganz so einfach – erst recht dann nicht, wenn man durch die eigenen Spielsachen so gut abgelenkt werden kann. Und doch saßen einige Kinder ganz still und andächtig vor dem Bildschirm und schauten auf die ihnen bekannten Gesichter, riefen begeistert die Namen ihrer Freunde und freuten sich daran, sich gegenseitig ihre Arbeiten zu zeigen.

Die Aufgabe der ersten Stunde: Wir basteln eine Blume. Freihändig gezeichnet, fünf Blütenblätter, der Stiel hingegen dieses Mal nicht wichtig. Dann mit Buntstiften ausmalen, schließlich zur Schere greifen (und zwar so, dass die einzelnen Blütenblätter gut herausgearbeitet werden). Aufgabe der Eltern indes: einen tiefen Teller oder eine Schüssel mit Wasser holen. Dann nur noch das: Die Blütenblätter einzeln nach innen knicken, die Blume so ins Wasser werfen – und siehe da: Die Blütenblätter öffnen sich wieder. Ein kleiner “Zaubertrick”, der an die ganze Magie erinnern sollte, die im Kindergarten gelebt wird. Soweit zur eigentlichen Planung.

Videokonferenz mit Kindergartenkindern

Aaaaber Kinder in dem Alter sitzen eben nicht dauerhaft und gerne vorm Bildschirm. So hüpfte P. schon nach knapp zwei Minuten zur Belustigung der anderen Kinder auf dem Sofa rum, J. entschied sich, den Raum zu verlassen und seine Mutter die Aufgabe allein zu erledigen lassen, A. und S. versteckten sich zunächst hinter ihren Eltern und bei N. und L. gab es so große Probleme mit der Konnektivität, dass sie nur die letzten Minuten dabei waren. Ein Vater indes hatte die Aufgabe nicht verstanden und fragte immer mal wieder nach. Basteln ist ja doch das, was meist eher an den Müttern hängen bleibt. ? Zu seiner Verteidigung: Er arbeitet in einem der Unternehmen, die derzeit heruntergefahren worden sind und vermutlich nicht oder nur wenig arbeiten.

Die ersten hatten ihre Blumen schnell fertig, andere hatten noch nicht einmal angefangen. Hinzu kam P., der lieber sein Spielzeug präsentieren wollte, sowie die Mutter von J., die sich per Handy verbunden hatte und deren Einstellung irgendwann nur noch ihre Füße zeigten, da sie zumindest versucht war, ihren Sohn wieder “einzufangen”. A. lehnte derweil müde den Kopf an die Schulter des Papas, bei einem anderen Kind wechselten sich die Eltern ab und unsere Tochter entschied kurz vor Schluss, dass sie nun doch lieber weiter mit ihrem Playmobil-Park spielen wollte. Den hatten wir vor ein paar Tagen so angepasst, dass nicht nur die beiden Erzieherinnen zur Beaufsichtigung im Schatten sitzen, sondern alle Kinder gemeinsam schaukeln und rutschen können. Treffen mit den anderen gab es bislang ja nur in der Phantasie.

Erfrischendes Kuddelmuddel

Die Erzieherin wedelte derweil mit einer übergroßen Schildkröte vor dem Bildschirm herum und entschuldigte sich dafür, dass diese den gleichen Vornamen wie die Mutter von P. trug, der mittlerweile überhaupt nicht mehr zu sehen war und vermutlich den Raum verlassen hatte. N. lächelte derweil (und das kann sie wirklich gut) zauberhaft in die Webcam und rief den Namen meiner Tochter, die der Erzieherin mitteilen wollte, dass sie ihr fehlen würde. Ziemliches Kuddelmuddel also, aber doch auch irgendwie erfrischend.

Zweimal die Woche ist der Online-Unterricht nun geplant. Am Donnerstag dann auf Englisch. Eine knappe halbe Stunde, die aber auch was ganz Wichtiges leistet: Etwas mehr Struktur in den Alltag zu bringen und den Kontakt der Kinder untereinander aufrechtzuerhalten. Wie schon
im Bericht von gestern geschrieben, werden die Schul- und Kindergartenschließungen vermutlich noch sehr lange andauern.

Was haltet Ihr von Online-Unterricht für Kindergartenkinder?

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Unser Tag zu Hause

Einen Großteil des Tages habe ich Euch ja nun schon beschrieben (es hat am Vormittag einfach auch viel Zeit weggenommen bis die Verbindung endlich stand). Der Rest des Vormittages bestand aus Aufräumen. Vorsichtshalber. Man weiß ja nie, wie viel vom Chaos die anderen per Webcam einfangen können… ?

Das hier war unser Nachmittag:

  • Wir haben erneut Bananen-Walnuss-Brot gebacken. (Keine Ahnung, warum bei dem Rezept was von Brot steht, denn es schmeckt nach Kuchen – ganz eindeutig!)
  • Die Schokolade vom gestrigen Einkauf und ich haben heute zu viel Zeit miteinander verbracht…
  • Unser Pappmaché ist endlich getrocknet und kann später bemalt werden.
  • Draußen wird es immer wärmer und wir können endlich mehr Zeit draußen verbringen (auch wenn es nur auf dem Balkon ist)
  • Wir haben viel geredet, denn die Zahlen allein bei uns im Ort sind weiter gestiegen: Allein hier gibt es nach Auskunft des Bürgermeisters nun 42 Fälle und verschiedene Erkrankungsfälle leider ausgerechnet im Krankenhaus, dass KEIN Covid-Krankenhaus ist.
  • Ich habe mich jetzt entschieden: Da unser Blumenhändler vergangene Woche sogar angerufen hat und dabei darauf aufmerksam gemacht hat, dass er Blumen auch liefert, werden wir uns welche bestellen. Wir haben durch Blumen sicher bessere Laune und der dringend benötigtes Einkommen.

Ihr könnt diese Seite natürlich auch ganz einfach teilen, falls Ihr Freunde oder Bekannte habt, die sich für die Situation in Italien interessieren. Passt auf Euch auf! <3

Gepostet von Coronavirus in Italien am Samstag, 14. März 2020

 

6. April 2020: Die Zahlen des Tages

Diese Zahlen gab der Zivilschutz am heutigen Abend bekannt:

  • 604 Tote (32 weniger als gestern, 17.127 Tote insgesamt in Italien).
  • 3039 neue Coronafälle (560 weniger als gestern, jetzt insgesamt 135.586 Infektionen)
  • 24.392 Personen gelten als geheilt
  • 94.067 Personen sind aktuell erkrankt (3792 Personen befinden sich in einem kritischem Zustand)

Situation bei uns in den Marken

Bislang wurden 4710 Personen in den Marken positiv getestet (davon sind 630 Personen im Alter zwischen 27 und 97 Jahren verstorben, 342 Personen gelten in den Marken als genesen oder aber haben das Krankenhaus nach dortiger stationärer Behandlung verlassen können (beide Personengruppen werden hier nun zusammengezählt, so dass nicht mehr klar ersichtlich ist, wie viele Personen sich komplett erholt haben). Die erste Person in den Marken wurde am 25. Februar 2020 positiv getestet.

Umgerechnet auf die Gesamtbevölkerungszahl in den Marken von 1.525.271 Personen beträgt das Ansteckungsrisiko derzeit 1: 323 (Ende vergangener Woche betrug das Ansteckungsrisiko noch 1: 371)Da in Italien davon ausgegangen wird, dass die Dunkelziffer der positiven Personen in etwa zehnmal so hoch ist, ist auch das Ansteckungsrisiko um ein Vielfaches höher als hier angegeben.

Aktuell sind 1101 Personen in den Marken wegen des Coronavirus in den Krankenhäusern untergebracht (das sind 40 weniger als gestern). 139 liegen auf den Intensivstationen (1 Person weniger), 277 weitere auf der Intensivzwischenpflege (11 weniger).

Nadine
Über Nadine 310 Artikel
Freie Journalistin, Redakteurin sowie Geprüfte Übersetzerin für Italienisch - und Mama einer zweijährigen Kitamaus, die das Leben ganz schön spannend macht.

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