[Interview] “Mein Kind ist kleiner als Deins…” – Ist das wirklich ein Problem?

Interview

Suses Sohn ist etwas kleiner als seine Klassenkameraden - und leidet darunter, dass seine Körpergröße zum Thema wird. (Foto: privat)

Größere Kinder werden oft überschätzt. Kleineren Kindern hingegen häufig nichts zugetraut. Nachdem im Netz der Text “Mein Kind ist größer als Deins… na und?”  erschienen ist, hat Suse sich darauf gemeldet. Weil sie ganz andere Erfahrungen gemacht hat. Im Interview hat Suse, die Mutter zweier Söhne (6 Jahre und 5 Monate) ist, von ihren Erfahrungen berichtet.

Wenn Kinder kleiner sind als andere… 

Du hast im Netz den Text “Mein Kind ist größer als Deins… na und?” kommentiert. Warum hast Du Dich angesprochen gefühlt?

“Mein „großes“ Kind ist nicht größer, als alle anderen Kinder, sondern es ist umgedreht. Er ist der kleinste in seiner Klasse. Im Kindergarten haben wir uns darüber keine Gedanken gemacht. Da gab es durch die vielen Altersstufen auch noch kleinere Kinder im Haus. Da fiel es einfach nicht so auf. Doch nun kam er diesen Sommer in die Schule und da sind die meisten Kinder nun mal größer und auch älter. So wirklich aufgefallen ist es mir auch tatsächlich erst, als ich den kleinen Mann bei der Schuleinführung gesehen habe und er einen ganzen Kopf kleiner war als der Junge neben ihm, der auch eingeschult wurde.”

Kannst Du Dich an Situationen erinnern, in denen andere Dein Kind auf seine Größe reduziert haben?

Blöde Sprüche oder Ausgrenzungen wegen der Körpergröße? Da fließen auch schon einmal Tränen. (Foto: privat)

“Ich kann sogar wirklich viele Situationen aufzählen. Es gab auch schon viele Tränen bei meinem Sohn, weil er seit der Schuleinführung spürt, dass er eben nicht so groß ist, wie die anderen. Denn auch ihm fiel seine Körpergröße erst auf, als er in die Schule kam. Wahrscheinlich ging es im Kindergarten genau so wie uns. Doch schon am zweiten Tag wurde er in die erste Reihe gesetzt – „damit er besser sieht“ (er entdeckt jedes noch so kleine Flugzeug am Himmel – am “besser Sehen” lag das sicher nicht). Darüber war er etwas traurig. Denn damit bekam er nicht nur einen neuen Platz, sondern auch einen neuen Lernpartner.

Bei einem Fest wollte er bei einem Schießsportverein auch schießen, weil dort am Stand eben auch andere Kinder waren. Der Mann vom Verein hat ihn mit den Worten weggeschickt: „Du bist noch zu klein“. Er ist in Tränen ausgebrochen und war außer sich. Er fand es zu unfair. Schließlich war er doch jetzt auch ein Schulkind und warum durfte er das nicht? Der Mann hat das natürlich nicht gewusst und sicher auch keine böse Absicht gehabt.

Meist sind es einfach die Erwachsenen, die kleinere Kinder unterschätzen. Kinder untereinander sind da viel entspannter. Gerade unser Großer ist ein wirklich pfiffiges Kerlchen. Er schnürt sich seit dem Kindergarten die Schnürsenkel alleine zu, kann die Uhr und rechnet bis zur 10 mit Plus und Minus. Doch weil er „klein“ ist, wird er etwas unterschätzt. Er ist eben der „Kleine“.”

Besondere Rücksichtnahme auf kleinere Kinder?

Hast Du selbst das Gefühl, dass man auf körperlich kleinere Kinder besondere Rücksicht nehmen sollte?

“Wenn das Kind tatsächlich einfach „nur“ klein ist, sollte das Kind selber nicht merken, dass es so ist. Genauso wie man eben einem großen Kind nicht zu viel abverlangen sollte, sollte man eben die Kleinen nicht unterschätzen. Das Einzige, bei dem ich dachte, er schaffe es nicht, weil er die Kraft nicht aufbringen kann, ist das Seepferdchen. Doch da hat er sich durchgebissen. Wir waren extra noch schwimmen und haben ein bisschen geübt. Und siehe da, er hat das Seepferdchen geschafft.

Aber sonst mache ich mir bei ihm wirklich keine Gedanken. Vor einem Jahr hätte ich das so nicht geschrieben. Denn zu seiner Körpergröße kam auch noch dazu, dass er sehr schüchtern war. Er ist heute auch keiner, der voran geht. Doch er steht seinen „Mann“ und lässt sich nicht mehr alles gefallen. Ich staune in letzter Zeit ganz oft über ihn und lasse ihn seinen Weg gehen und begleite ihn dabei.

Wenn der Schulweg nicht so weit wäre, könnte er auch alleine in die Schule gehen. Denn das möchte er unbedingt alleine zur Schule gehen. Wie schon gesagt, hätte er sich das vor einem Jahr selber nie zugetraut. Doch er hat an Selbstbewusstsein gewonnen und wächst in letzter Zeit über sich hinaus.”

Kommentare anderer Eltern – nur bedingt erwünscht

Was hältst Du davon, wenn andere Personen sich in die Erziehung eines Kindes einmischen oder beispielsweise ständig die Größe kommentieren?

“Ich tausche mich sehr sehr gern mit anderen Müttern aus. Ich schaue auch über den Tellerrand. Als Eltern haben wir uns verändert und wir haben auch über die letzten Jahre einen neuen Weg gefunden, das Kind durchs Leben zu führen. Vor der ersten Schwangerschaft hätte ich selber nie geglaubt, dass ich meinem Kind mal so viele Freiheiten lasse und ihn mehr begleite als erziehe. Trotz anderer Meinungen lasse mich mittlerweile auf keine Diskussion mehr ein, wenn mir jemand an den Kopf wirft, ich mache etwas falsch. Gibt man mir allerdings konstruktive Denkanstöße, denke ich gerne darüber nach und schaue, ob ich eventuell etwas ändern könnte. Denn ich lebe nach dem Motto, dass jeder machen kann, was er mag, so lange dabei niemand zu Schaden kommt.

Ein kleines Beispiel?
Die Brotdose für die Schule. Er ist kein wirklich guter Esser. Also bespreche ich mit ihm, was auf sein Brot soll und was noch alles mit in die Schule soll. Ich steche das Brot in Formen aus. Siehe da, das Brot ist aufgegessen. Das Auge isst eben mit. Da kam von der Lehrerin, er solle doch Brot mit Rinde mitbringen, das sei gut für seine Zähne. Was im Augenblick nicht stimmt, denn die zweiten Zähne kommen und die Milchzähne sind locker. Und meine Mama …. Jaaa, die lieben Omas. Die kann gar nicht verstehen, dass ich meinem Sohn das Brot so zurecht mache und nennt es sogar eine „Unart“. Ja, damit kann ich leben und ich steche ihm trotzdem sein Schulbrot in Herzchen und Batman-Formen aus und die Gurken kommen als Sterne in die Brotdose.”

Suses Sohn ist Erstklässler. Er ist allerdings etwas kleiner als die anderen Kinder seiner Klasse… (Foto: privat)

Der “Kleine” wird zum “großen” Bruder

Dein “kleiner” Sohn ist seit kurzem “großer” Bruder. Wie klappt das mit den beiden?

“Genau, seit fünf Monaten ist er großer Bruder. Er hat immer wieder gesagt, dass er kein Geschwisterchen haben möchte. Er war immer der Meinung, dass er uns reichen sollte. 😉 Doch schon in der Schwangerschaft war er aufgeregt und jetzt, da der kleine Bruder da ist, überschlägt er sich oft für seinen Bruder. Als die zwei großen Männer mich im Krankenhaus nach der Geburt besucht haben, war es ihm alles andere als geheuer. Doch er liebt seinen kleinen Bruder. Er ist immer wieder besorgt um ihn und wenn alles Stricke reißen: Die Brüder unter sich bekommen alles geregelt.”

Hast Du einen Tipp für andere Eltern mit Baby? Wie kann man das größere Geschwisterkind gut mit einbeziehen?

“DEN ultimativen Tipp für andere Eltern habe ich natürlich nicht. Wir versuchen den großen Bruder in alles mit einzubeziehen, zumindest wenn er das mag. Am Anfang war er für alles mögliche Feuer und Flamme – Kinderwagen schieben, beim Windelnwechseln zuschauen usw. Mit der Zeit hat das natürlich auch nachgelassen. Doch der kleine Bruder MUSS am Tisch neben ihm im Neugeborenenaufsatz liegen. Weint der Kleine, springt er nach wie vor auf und möchte ihn beruhigen. Und komischerweise reagiert der Kleine total auf den Großen. Ist der große Bruder da, sieht die Welt gleich ganz anders aus. So viel kann der Große natürlich noch nicht mit seinem Bruder anfangen. Doch gehen wir gemeinsam raus – ich mit dem Kinderwagen und der Große mit dem Rad -, dann gehen wir die Route, die der Große aussucht.

Im Augenblick habe ich natürlich weniger Zeit mit dem Großen alleine. Doch dafür macht der Papa mit ihm immer wieder Dinge alleine. Sie gehen schwimmen und fahren gemeinsam Rad oder besuchen die Eltern vom Papa. Wenn ich mit dem Großen was mache, dann ist der Kleine meist dabei – in der Wippe oder dem Hochstuhl mit dem Säuglingsaufsatz. Auch das Tragetuch ist DER Helfer im Alltag mit zwei Kindern schlechthin. Alles was wir tun, passiert als Familie…”

Freizeittipps für Kinder

Draußen regnet es: Wie kannst Du insbesondere Dein älteres Kind trotzdem gut bei Laune halten? 

“Der Große ist eine alte Fummeltrine. Er liebt es zu malen, zu kneten, Bügelperlen zu legen. Das können wir super zusammen machen – auch wenn der Kleine schläft oder eben dabei ist. Er spielt auch immer mal wieder gerne für sich in seinem Zimmer. Und wenn jetzt Ferien sind und alles andere nicht mehr hilft, dann darf er auch mal eine Folge Ninjago auf dem Tablet schauen. Seitdem er in der Schule ist, läuft der Fernseher bei uns so gut wie gar nicht mehr. Der Große findet kein Ende und es kommt zum Streit. Deswegen gehen wir der ganzen Sache aus dem Weg und lassen “die Kiste” aus. Aber bei uns läuft immer Musik. Am liebsten singen und tanzen wir zusammen zu Sabine Sommerland – das findet auch der kleine Mann besonders toll.”

Gibt es ein Kinderbuch, das Euch besonders gut gefällt?

“Ja, wir lesen gerade “Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt” – und wenn wir das gelesen haben, schauen wir uns den Film dazu an. Zur Schuleinführung hat er ganz viele Bücher zum Lesen bekommen. Da ist er ganz scharf drauf und er ist etwas genervt, weil es noch nicht so gut geht, wie er gerne möchte.”

Welches Buch liest Du selbst derzeit?

“Lustig, dass Du gerade nach einem Buch fragst. Seit Anfang Oktober lese ich wieder. Ich habe lange Zeit kein Buch mehr in der Hand gehabt und eher Hörbücher genutzt. Doch in der Zeit, in der ich stille und den kleinen Mann ins Bett bringe, lese ich am Handy e-Books. Im Augenblick  lese ich “Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner”. Ein sehr witziges Buch von Kerstin Gier, das sich richtig toll liest. Davor habe ich “Ohne ein Wort” von Linwood Barclay gelesen. Bis zur letzten Seite war es spannend. Sehr zu empfehlen!”

Besondere Zukunftswünsche

Noch eine letzte Frage: Was wünschst Du Dir für Dich und Deine Familie für die Zukunft?

“Meine Wünsche sind unbezahlbar: Gesundheit und Liebe füreinander. Durch einen kleinen Unfall Anfang Oktober lag ich mit dem kleinsten Mann für drei Nächte im Krankenhaus – als wir auf dem Weg zur Ostsee waren. So ein Vorfall, bringt einen dazu, sich auf den Grundgedanken zu besinnen.”

Liebe Suse, vielen Dank für das interessante Interview!

 

Ist die Körpergröße Eures Kindes auch schon mal Thema gewesen?

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Mehr zu Suse

Suse ist Mutter zweier Söhne und schreibt unter “Hello Suse Muse” auf Facebook über ihr Familienleben. (Foto: privat)

Suse hat übrigens auch eine Facebook-Seite und einen Instagram-Account. Über beide Accounts könnt Ihr mehr über sie und ihre Familie erfahren. Außerdem veröffentlicht Suse immer mal wieder kleinere DIY-Anleitungen und hat gerade ihr erstes eigenes Ebook mit einer Nähanleitung für eine Lenkertasche veröffentlicht. Dabei soll es auch nicht bleiben: Denn schon jetzt zeigt die zweifache Mama immer wieder die Sachen, die sie für sich selbst und ihre Jungen genäht hat. Einblicke gibt es außerdem in ihr Bullet-Journal. Ihr wollt gerne mit ihr diskutieren oder Euch mit ihr austauschen? Suse liest hier natürlich die Kommentare zu ihrem Interview, ist ansonsten aber auch über diese Kanäe zu erreichen:

Suse auf Facebook: http:/www.facebook.com/musestunde

Und hier findet Ihr Suse auf Instagram: http://www.instagram.com/hello.musestunde

Warum Suse auf verschiedenen Social-Media-Kanälen unterwegs ist? “Ich liebe auch den Austausch mit Freunden und Lesern auf meiner Facebookseite. Denn dort tummeln sich viele Menschen, die alle eine andere Meinung haben und nichts ist aufregender als viele Sichtweisen zu einer Sache. Wer gerne mit mir diskutieren möchte, ist herzlich eingeladen!”

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Nadine
Über Nadine 159 Artikel
Freie Journalistin, Redakteurin sowie Geprüfte Übersetzerin für Italienisch - und Mama einer zweijährigen Kitamaus, die das Leben ganz schön spannend macht.

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