Weihnachtsbräuche: So feiert man Weihnachten in Belgien

Jedes Jahr überträgt der TV-Sender VRT die feierliche Ankunft vom Sinterklaas. (Foto: VRT - Jokko)

Das Christkind macht einen großen Bogen um Belgien. Zwar wird auch hier Weihnachten mit Heiligabend und allem Drum und Dran gefeiert. Die Geschenke bringt aber jemand ganz anderes und das zu einem ganz anderen Zeitpunkt. Der Nikolaus, der in Belgien und in den Niederlanden Sinterklaas genannt wird, ist dafür zuständig. Er verteilt die Geschenke bereits in der Nacht des 5. Dezember – halt am Nikolausabend.

Weihnachtsbräuche in Belgien

Vom TV-Sender VRT eingefangen: Der Sinterklaas ist da. (Foto: VRT – Jokko)

Der Überlieferung nach reitet Sinterklaas auf einem Schimmel über die Dächer von Haus zu Haus. Wie der Weihnachtsmann rutscht auch Sinterklaas durch den Schornstein in die Häuser und füllt die Stiefel und Schuhe, die die Kinder am Kamin aufgestellt haben. Hilfe bekommt er dabei vom Zwarten Piet, der Pluderhosen, einen Pagenhut und Schuhe mit silbernen Schnallen trägt. Dieser Schwarze Peter ist ein rechter Schelm, der stets zu Streichen aufgelegt ist.

Die Tradition geht zurück auf den heiligen Nikolaus von Myra, dessen Sterbetag der 6. Dezember ist. Der griechische Bischof lebte im 4. Jahrhundert in Kleinasien. Zahlreichen Legenden nach soll er unter anderem sein ganzes Erbe unter den Armen seiner Heimatstadt verteilt und sich um Kranke gekümmert haben. Wohl auch deshalb ist er in späteren Zeiten zum Schutzpatron der Kinder geworden. In Anlehnung an den echten Bischof Nikolaus ist Sinterklaas in die bischöfliche Berufsbekleidung gehüllt, trägt einen roten Rauchmantel und einen Bischofsstab.

Der belgische Sinterklaas kommt übrigens mit großem Brimborium an. Bereits Mitte November schippert er per Dampfer aus Spanien an. In Antwerpen, der wichtigen Hafenstadt im flämischen Teil des Landes, gehen Sinterklaas und der Zwarte Piet von Bord. Erwartet werden sie von Horden von jubelnden und singenden Kindern. Das belgische Fernsehen überträgt dieses Highlight im ganzen Land.

Kinder bejubeln die Ankunft vom Sinterklaas. Dessen Ankunft wird jedes Jahr vom TV-Sender VRT übertragen. (Foto: VRT / Jokko)

Drei-Gänge-Menü mit Holzklotz

Da der 6. Dezember das große Kinderfest ist, gibt es keinen Adventskalender. Zwar gibt es die in allen Supermärkten zu kaufen, aber die sind für viele kein Muss. Einen Adventskranz gibt es aber schon. Das Weihnachtsfest selbst wird, wie auch in allen anderen Ländern, im Kreis der Familie gefeiert.

Ein traditionelles belgisches Weihnachtsessen besteht normalerweise aus einem Drei-Gänge-Menü mit Jagdwild, Braten oder Meeresfrüchten als Hauptspeise. Eine typische Nachspeise ist ein Weihnachtsbaumstamm. Das ist ein mit Schokolade dick bedecktes Biskuitgebäck, das einem Holzklotz ähnelt. Es schmeckt herrlich, aber hinterher hat man das Gefühl, dass man wirklich einen Holzklotz im Magen hat.

Dazu gibt es einige extra für das Weihnachtsfest gebraute Biere. Dazu zählt beispielsweise das „Slaapmutske Winterbier“. Das Haus wird auch festlich geschmückt, mit einem Weihnachtsbaum, der Krippe und dem rot-blühenden Weihnachtsstern. Geschenke für die Kinder sollte es eigentlich nicht mehr so viele geben. Aber mittlerweile häufen sich auch am 24. Dezember die Geschenke unter dem Weihnachtsbaum.

König oder Königin für einen Tag

In Belgien dauert die Weihnachtszeit bis zum Dreikönigstag, der am 6. Januar gefeiert wird. Kinder verkleiden sich als die Heiligen Drei Könige und gehen von Haus zu Haus und singen das Lied „Wir sind drei Könige“. Dafür bekommen sie Süßigkeiten oder auch ein bisschen Kleingeld.

Zu diesem Tag haben die Bäckereien den sogenannten Dreikönigskuchen in ihrer Auslage stehen. Das ist ein Marzipankuchen, obendrauf thront eine Pappkrone. Im Kuchen wird ein kleiner Gegenstand wie zum Beispiel eine getrocknete Bohne oder eine kleine Figur eingebacken. Wer Glück hat und den Gegenstand findet, darf den ganzen Tag die Pappkrone tragen und wird für einen Tag König oder Königin.

 

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Mareike
Über Mareike 18 Artikel
Freie Journalistin und Redakteurin, ab und zu auch Proofreaderin für ein Übersetzungsbüro. Außerdem Mama eines Dreijährigen, der sie liebend gern auf Trab hält.

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