Nimm die Kinderfotos MEINES Kindes aus dem Netz!

Kinderfotos im Netz? Das entscheidet jeder selbst - aber NUR fürs EIGENE Kind. (Foto: twystydigi / Adobe Stock - Design: Canva)

Dies ist ein Brief an die Social-Media-Mama, die so “nett” war, Fotos von meinem Kind öffentlich auf ihrem Facebook-Profil zu posten. Kinderfotos im Netz? Definitiv nicht von meiner Tochter!

Mein Brief an eine “Social-Media-Mama”

Liebe Social-Media-Mama,

ich nenne hier ganz bewusst Deinen Namen nicht. Weil der nichts zur Sache tut – und es viele von Deiner Sorte gibt. Ja, wir waren heute zusammen auf einem tollen Kindergartenfest. Und natürlich hat dort JEDER Fotos gemacht. Ist auch selbstverständlich. Das war schon immer so. Früher mit Analogkameras (in der Hoffnung, dass wenigstens eins der Bilder etwas geworden ist), später mit Digitalkameras und mittlerweile mit wirklich tollen Smartphones. Die finde ich auch super. Genau wie Du. Jederzeit griffbereit, gute Fotos oder Videos und viele schöne Erinnerungen. Hach, wir könnten uns sicher ewig darüber austauschen, wie wichtig uns beiden Fotos schon gewesen sind: Kindheitserinnerungen, Schulfotos, Feiern mit Freunden, Reisebilder, unsere Hochzeitsfotos – und dann: unsere kleinen Wunder. Fotos erzählen Geschichten, lassen besondere Momente wieder aufleben, helfen dabei, dass auch andere an unseren Erlebnissen teilhaben können. Da bin ich ganz Deiner Meinung. Das sehe ich zu 100 Prozent genau so wie Du. Und genau wie Du bin auch ich stolz auf mein Kind und freue mich natürlich über besonders gelungene Bilder. So unterschiedlich sind Du und ich also gar nicht.

So süße Kinderfotos im Netz…

Nur in einem Punkt unterscheiden wir uns gewaltig: Du verbreitest Fotos Deines Kindes auf Facebook und eventuell auch Instagram, ich würde genau das nicht tun. Versteh mich bitte nicht falsch: Die Profilbilder mit Deiner Tochter sind schön, das Foto, auf dem Dein Kind dem Papa die Füße massiert, ist wirklich niedlich und die Einblicke in Eure gemeinsamen Kuschelstunden sind herzerweichend. Kein Zweifel. Und ja, ich verstehe, dass Du eine stolze Mama bist und Deine Tochter überall zeigen möchtest. Komplimente hört schließlich jeder gern – sei es nun auf dem Wochenmarkt oder aber in Deinem Fall auch online. Deshalb will ich Dich für Dein Verhalten auch gar nicht kritisieren. Du hörst auf Dein Bauchgefühl und tust das, wonach Dir ist.

Doch mein Bauchgefühl sagt mir für meine Tochter etwas ganz anderes. Ich möchte eben nicht, dass JEDER Bilder meiner Tochter sehen kann. Ich habe früher auch keine Kopien von meinem Fotoalbum gezogen und habe sie ans Aushangbrett der Gemeinde geheftet. Oh je, wer weiß, wer die alles gesehen hätte. Und was man darüber getuschelt hätte. Stell Dir mal vor, was das für Wellen geschlagen hätte. Oder wer sich das vielleicht mit nach Hause genommen und immer wieder angeschaut hätte… Ja, klar, die Zeiten haben sich geändert. Das wissen wir beide zu schätzen: schneller Zugriff auf Nachrichten, einfache Kontaktmöglichkeiten mit Freunden, viel mehr berufliche Möglichkeiten, Verbreitung von Fotos und Nachrichten in Windeseile. Egal wohin, egal zu wem. Da kann ich Dir etliche Vorzüge aufzählen. Nur im Veröffentlichen von Kinderfotos sehe ich überhaupt keine Vorzüge. Tja, aber leben und leben lassen. Da hat wohl jeder eine andere Meinung zu. Du stellst also Fotos von Deiner Tochter online, ich lasse meine aus dem Netz. Eigentlich doch ganz einfach, oder?

Jede Mutter freut sich über schöne Kinderfotos

Und weil Deine Tochter Deine Tochter ist und meine Tochter meine Tochter ist, kümmert sich jeder um sein eigenes Kind. Beide mit bestem Wissen und Gewissen. Und bestenfalls auch mit Respekt. Vielleicht kennst Du mich einfach auch nicht gut genug. Vielleicht denkst Du, dass sich JEDE Mutter freut, wenn sie schöne Bilder ihres Kindes sieht. Da liegst Du nicht einmal sonderlich falsch. Das tut jede Mutter, jeder Vater, die Großeltern, Onkel, Tanten, Freunde. Doch ich habe mich in erster Linie erschrocken, Fotos MEINER Tochter auf DEINER öffentlichen Facebook-Seite zu sehen. Du hast knapp 300 Freunde. Die anderen, die Du in diesem Fotoalbum markiert hast, haben zusammen weit mehr als 3000. So viele Personen passen nicht einmal in jedes Oktoberfest-Zelt. Und würdest Du dort oder in einem anderen Kontext jedem Fotos Deiner Tochter zeigen?

Eine Deiner “Freundinnen” (mit mehr als 2000 “Freunden”) hat die Bilder unserer Kinder übrigens schon geteilt. Gemeinsame “Freunde” haben wir vier. Die meisten schauen wahrscheinlich einfach darüber weg, einige vielleicht nicht. Doch wie soll ich MEIN Kind beschützen, wenn es nach DEINEN Regeln leben muss? Regeln, die sich mit meinen Vorstellungen nicht decken? Du hättest das Gesicht meines Kindes zumindest verdecken können. “Dann bleib doch zu Hause”, murmelst Du vielleicht jetzt. Aber warum? Ein Kindergartenabschlussfest ist KEINE öffentliche Veranstaltung. Wir waren unter uns. Ganz bewusst. Nicht einmal die Großeltern waren eingeladen. Damit es nicht zu viel Trubel gibt, weil der Platz begrenzt war und weil wir wirklich unter uns bleiben sollten – im kleinen Kreis. Du hättest Deine Fotos in der WhatsApp-Müttergruppe verschicken können. In der Hoffnung, dass niemand die Fotos DEINES Kindes nutzt, um sie vielleicht weiterzusenden, um sich mit einer Freundin darüber lustig zu machen, um sie womöglich in anderem Zusammenhang auf Facebook zu posten. Doch Du hast Dich für die breite Öffentlichkeit entschieden und mein Kind aus einem geschützten Raum ins Ungewisse gestoßen.

Wer entscheidet eigentlich?

Und ich als Mama? Kann nicht einmal helfen und nur zusehen. Ja, das wird mir – in verschiedenen Situationen – noch oft passieren. Doch während Du Dich wohlfühlst, wenn Dein Kind auch von Fremden bewundert wird, tue ich genau das nicht. Das ist einfach so, so bin ich. Und meine Handlungsfähigkeit ist DEINETWEGEN eingeschränkt. Weil DU entschieden hast, dass Fremde auch MEIN Kind sehen dürfen. Weil Du eine Wahl für UNSER Kind getroffen hast, die eigentlich wir als Eltern haben sollten. Verstehst Du, warum ich wütend bin?

Vermutlich kannst Du es nicht abwarten, neue Komplimente zu lesen, mit Stolz dabei vorm Bildschirm zu sitzen und auch durch die Kinderfotos Deiner Freunde zu klicken. Und die der Nachbarn, der anderen Mitglieder in Deinen Facebook-Gruppen oder auch wahllos durch das, was da so bei Instagram gepostet wird und für etliche Likes sorgt. Kinderfotos im Netz gibt es schließlich etliche. Kinderfotos ziehen immer. Kinderfotos machen stolz. Die meiner Tochter mich auch. Aber im Gegensatz zu Dir vor allem offline. Und besonders dann. Denn für mich – und da entscheiden wir uns wirklich – sind private Momente mit meinem Kind die schönsten.

Wie gesagt: Mach mit DEINER Tochter, was Du möchtet, aber lasse MEINE Tochter daraus. Du magst vielleicht nicht meine Meinung teilen, Du solltest sie aber zumindest respektieren. DEIN Kind, DEINE Regeln. MEIN Kind, MEINE Regeln. Eigentlich doch wirklich einfach, oder?

Also bitte: Nimm die Fotos MEINER Tochter aus dem Netz!

Nadine

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Nadine
Über Nadine 144 Artikel
Freie Journalistin, Redakteurin sowie Geprüfte Übersetzerin für Italienisch - und Mama einer zweijährigen Kitamaus, die das Leben ganz schön spannend macht.

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