Wie einfach man herausfindet, in welche Kita Eure Kinder gehen…

Über das Internet haben es Verbrecher oft leicht, Informationen auch über Kinder zu finden. (Symbolbild: mdurson / Adobe Stock)

Die versuchte Entführung einer Vierjährigen aus einer Kita in Köln schockt uns alle. Ein Pärchen hatte dort versucht, das Kind aus einem Kindergarten “abzuholen”. Doch wie konnte es dem Paar überhaupt gelingen, die Herausgabe eines unbekannten Kindes zu fordern. Und was tun, damit es einem selbst nicht widerfährt?

Löscht Kinderfotos aus dem Internet!

Ganz einfach: Löscht Informationen über Eure Kinder und Kinderfotos aus dem Internet!
Es geht so schnell, mehr über Euch zu erfahren als Euch lieb ist!
Ihr wart mit Freunden unterwegs? Eine einfache Foto-Markierung reicht, um das gemeinsame Ausflugsbild auch für deren Freunde sichtbar zu machen. Und schon geht das Foto Eures Kindes auf eine Reise, die Ihr nicht beabsichtigt hattet.

Euer Sohn oder Eure Tochter hat etwas Schönes im Kindergarten gebastelt, das Ihr unbedingt zeigen wollt? Es ehrt Euch, dass Ihr als kleine virtuelle Danksagung den jeweiligen Kindergarten markiert. Doch schon ist das Bild nicht mehr privat. Und schon weiß jeder, dass Euer Kind genau diesen Kindergarten frequentiert.

Eine befreundete Mutter kommentiert das Bild mit den Worten: “Marco würde sich freuen, wenn Louis mal wieder zum Spielen vorbei käme?” Auch hier: Nett gemeint, aber schon steht auch der Name Eures Kindes im Netz. Perfekt verknüpft mit Eurem eigenen Namen, dem des Kindergartens und gemeinsamen (Spiel-)-Kontakten. Reicht an Informationen, um einer Kindergärtnerin gegenüber souverän aufzutreten und die Herausgabe ausgerechnet von Louis zu fordern. Immerhin sei die Mutter, also Du, derzeit noch mit der befreundeten Mutter von Marco unterwegs. Damit es aber nicht zu spät würde, hätte man Onkel und Tante vorbeigeschickt. Klingt auf jeden Fall so, als ob es sich wirklich um Onkel und Tante handeln könnte…

Die Verantwortung liegt nicht allein bei einer Erzieherin…

Die Verantwortung nun alleine der Erzieherin zu überlassen, wäre mehr als falsch. Jedes Glied in einer Kette kann versagen. Wenn Ihr Eure Kinder von Anfang an besser schützt, bringt Ihr sie weniger in Gefahr.

Ihr bloggt und postet ab und an mal ein Foto Eures Kindes? Freut Euch über viele Likes und nette Kommentare? Gerade Blogs sind derart öffentlich, dass Ihr hiermit ungewollt noch mehr Informationen preisgebt. Aus rechtlichen Gründen müsst Ihr Eure komplette Adresse angeben. Jetzt weiß auch noch jeder, wo Euer Kind wohnt, wie es aussieht, womöglich sogar, wie es am Vormittag gekleidet war, weil es mal wieder derart niedlich aussah, dass Ihr Eure Follower unbedingt daran teilhaben lassen wolltet. Fotos stehen mit wenigen Klicks im Netz und sind mit einem einzigen heruntergeladen – auf Computer, andere Endgeräte und auf Plattformen, von denen Ihr keine Ahnung habt. Wägt ab, wie groß das Risiko ist, das Ihr eingehen wollt.

Ihr nehmt vielleicht sogar an einem Fotowettbewerb teil? Teilt das Wettbewerbs-Bild in verschiedenen Elterngruppen? Ihr setzt Euch für die Belange einer bestimmten Schule oder eines bestimmten Kindergartens ein? Macht das, aber erwähnt sie (wenn es sich vermeiden lässt) nicht namentlich. Auch hier wird gleich deutlich, wo Ihr Euer Kind hinschickt.

Die unbekannte Reise durchs Netz

Ein von Euch veröffentlichtes Bild wurde entgegen Eurem Willen geteilt? Eure Einstellungen sind schuld, vielleicht aber auch das Vertrauen, das Ihr in einen Eurer Kontakte gesetzt habt. Euer Kontakt findet Euer Familienbild besonders lustig? Schon landet es auf seiner Facebook-Seite. Bittet ihn, das Bild zu entfernen oder aber löscht es. Zumindest geteilte Inhalte sind dann nicht mehr aufrufbar. Anders sieht es aus, wenn das Bild heruntergeladen und dann weiterverschickt oder woanders gepostet wird. Euer Kind befindet sich dann auf seiner unbekannten Reise durchs Netz. Eingreifen könnt Ihr ab jetzt nicht mehr…

Eure Meinungen interessieren mich: Kinderfotos Eurer Kleinen im Netz? Ja oder Nein? Wie handhabt Ihr das? Kommentiert gerne unter diesem Post!

Kinderbuch zum Thema? Gibt es über diesen Link: https://amzn.to/2O1heeb (Link Amazon Partnerprogramm, alternativ einfach auf das Buchcover klicken…)

Noch immer sucht die Polizei Köln nach den beiden Personen, die ein ihnen fremdes Kind aus einer Kita in Köln-Zollstock abholen wollten. Die Bilder einer Überwachungskamera dazu findet Ihr hier: http://kitamaus.de/2018/09/08/fahndung-in-koeln-paar-wollte-fremdes-kind-aus-kita-abholen/

Weitere Themen rund um Schulkinder gibt es hier: http://kitamaus.de/category/kitakinder/

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Nadine
Über Nadine 137 Artikel
Freie Journalistin, Redakteurin sowie Geprüfte Übersetzerin für Italienisch - und Mama einer zweijährigen Kitamaus, die das Leben ganz schön spannend macht.

5 Kommentare

  1. Grundsätzlich stimme ich Dir zu, dass man mit Fotos von Kindern bewusst umgehen muss. Da finden alle unterschiedliche Wege, von meinen gibts weder Namen noch Bilder von vorne, aber auch da geht jeder andere Wege. Es ist mir hier zu dramatisch. Selbst, wenn Du wüsstest, wie mein Kind heisst, würdest Du es nicht aus dem Kiga abholen können. Denn. weder kennt mein Kind Dich, noch habe ich Dich als Abholer angekündigt, noch stehst Du auf der Liste der Personen, die Abholen dürfen. Zusätzlich hat der Kiga darum gebeten, dass nur Menschen, die das Kind wirklich kennt abholen (es kam wohl mal eine Oma, die im Ausland wohne, das Kind erklärte, es kenne die Frau nicht und die Eltern wurden angerufen). Generell sehe ich hier in Deutschland ein nur nominales Entführungsrisiko und da eher Zufallsopfer (was es natürlich nicht besser macht) oder gezielt ausgesuchte Entführungsopfer zwecks Erpressung von reichen Eltern. Dass man die Privatsphäre so einstellt, dass nicht jeder Fremde alles soeht, versteht sich von selbst. Aber so schlimm und gefährlich wie von Dir beschrieben, finde ich es nicht und vor allem nicht so pauschal. Jedenfalls wäre mir die von Dir beschriebene Situation novj nie bei insta oder in Blogs aufgefallen. Daher, dass Du sensibilisieren möchtest, finde ich sinnvoll und gut, aber mir ist das etwas zu dramatisch.

  2. Natürlich ist das (ebenso wie eine Entführung) sehr dramatisch. Und die statistische Wahrscheinlichkeit einer Entführung ja auch extrem gering. Glücklicherweise. Schlimm genug, dass es zwei Personen in Köln dennoch versucht haben. Genau das ist ja auch der Aufhänger: Wie könnte es gelingen, dass sie überhaupt in der Lage sind, die Herausgabe eines bestimmten Kindes zu fordern und genug über dieses Mädchen zu wissen? Ich halte es da wie Du: Keine Namen und keine Fotos. Viele machen es anders und geben sehr viel preis. Im Normalfall passiert auch nichts. Deshalb wirkt das sicher etwas gefährlich, pauschal und vielleicht auch übertrieben. Was aber, wenn man dennoch in so eine Situation gerät? Klar geben Erzieher ein Kind nicht einfach so heraus und sind gut genug geschult, um sich nicht einfach von so einer Geschichte überzeugen zu lassen (wie man ja auch hier am vorbildlichen Verhalten des Kindergartens sieht). Extrem erschreckend finde ich das alles trotzdem. Es bleibt ja dennoch bei einer mutmaßlich versuchten Entführung, auch wenn es ein absoluter Einzelfall ist…

  3. Da hast Du natürlich ebenfalls völlig recht. Kriminell waren Menschen leider schon immer und auch Kindesmissbrauch ist kein neues Thema. Social Media machen es natürlich einfacher, besonders manche Eltern, wenn ich fast nackte Kinderfotos mit vollem Gesicht sehe, frage ich mich auch, ob das nicht manchmal auch in ganz falsche Hände mit schlimmen Gedanken gerät. Dass Du dafür sensibilisierst, finde ich wichtig und gut. Mir ist aber zum Beispiel dabei einfach der Punkt der Privatsphäre genug. Meine Kinder haben auch ein Recht auf Privatsphäre, weshalb ich manche Themen im Blog offen anspreche, besonders, was mich selbst betrifft, bei ihnen aber auch durchaus zensiere und zu privates nicht schreibe. Nur das letztendliche Risiko finde ich in dem Zusammenhang gering. Generell ist natürlich immer eine Gefahr da, aber da vermute ich eher, dass, wie in vielen bekannten, furchtbaren Fällen, sich Täter spontan ein Opfer suchen. Schutz ist aber selbstverständlich wichtig und eben auch, dass Kindergärten da Prozederes haben, die verhindern, dass irgendwer unbeauftragt das Kind mit nimmt.

  4. Vielen Dank, Denise! Da werde ich gleich einmal die Bilder löschen… Besser so als ein Entführerduo. Liebe Grüße, Nadine

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  1. Fahndung in Köln: Paar wollte fremdes Kind aus Kita abholen

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