“Ente steckt fest” … und braucht ein wenig Hilfe und Mitgefühl

Rezension

"Ente steckt fest" von Zoubida Mouhssin ist eine Geschichte über Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. (Copyright: Alibri Kinderbuchverlag / Bücherfotos: Nadine Jansen)

Die Bücher des Alibri-Verlages sind ein Garant für Geschichten, die Botschaften vermitteln wollen. So auch “Ente steckt fest!” von Zoubida Mouhssin und Pascale Moutte-Baur. Hier geht es um Mitgefühl und Hilfsbereitschaft. Denn, wie der Buchtitel schon vermuten lässt: Ente steckt fest und benötigt dringend etwas Hilfe.

Darum geht es in “Ente steckt fest!”

Ente steckt übrigens deshalb fest, weil sie nachts auf einem See fest eingeschlafen und dabei festgefroren ist. Da helfen weder das Picken mit dem Schnabel noch das ausgiebige Strampeln mit den Paddeln oder das wilde Schlagen mit ihren Flügeln. Ente kann an ihrer Situation nichts ändern und ist deshalb auch hoffnungslos all den Tieren ausgesetzt, die sich ihr nähern und erst einmal fragen: “Wie hast du das denn hingekriegt?” Jedes Tier versucht – leider meist auch erst nach Bitte durch die Ente – Ente in ihrer Situation irgendwie zu helfen. Durch Klopfen, Picken oder Hüpfen. Denn so viele Möglichkeiten haben Tiere ja nicht – und erst vereint gelingt es ihnen, Ente aus dem Eis zu befreien.

Die Bildelemente des Buches sind stark reduziert. Das tut vielen Büchern gut, ist in diesem Fall aufgrund der oft auch reduzierten oder kaum vorhandenen Mimik der illustrierten Tiere aber eher schade. Hier gibt es für Kinder nicht viel zu entdecken und kaum Überraschungsmomente oder wiederkehrende Besonderheiten, die insbesondere die kleineren Kinder zu begeistern wissen.

Umsetzung der Botschaft

Es gibt jedenfalls Kinderbücher, denen es besser gelingt, Gefühle und Emotionen herüberzubringen – oft bereits über die Bildsprache. Gerade kleineren Kindern mag es daher schwer fallen, die Verzweiflung von “Ente” so richtig nachzuvollziehen. Immerhin motzt Ente vorrangig darüber, dass andere Tiere sie danach fragen, wie sie nur in ihre missliche Lage geraten konnte.

Und gerade weil Ente oft so garstig ist und keine dieser niedlichen Kinderbuch-Protagonisten, fällt die Entwicklung eines wirklichen Mitgefühls oft schwer. Warum sagt Ente nicht auch einmal, wie verzweifelt sie ist? Warum ist ihre Mimik so reduziert? Will man jemandem wirklich helfen, der ständig genervt, gereizt und wütend ist? Normalerweise würde das jeden Helfer in die Flucht treiben. Mitgefühl ist eine Sache, Mitmenschlichkeit oder in diesem Falle ein freundliches Miteinander unter Tieren eine andere.

Nachts auf dem See eingeschlafen und festgefroren. Das ist Ente passiert…

“Wie hast du das denn hingekriegt?”

“Wie hast du das denn hingekriegt?” ist der Wortlaut der Frage, die von einem Hasen, einem Fisch und auch anderen Tieren gestellt wird, die die im Eis fest gefrorene Ente entdecken und die Ente so auf die Palme bringt. Bei Ente ist es deswegen, weil sie sich darüber ärgert, überhaupt auf Hilfe angewiesen zu sein. Doch auch der Vorleser ist möglicherweise von dieser Frage irgendwann genervt – aus einem anderen Grund. Wenn ich etwa an meine eigene Kindheit denke, weiß ich genau, wie oft meine Mutter, andere Eltern und unsere Grundschullehrerin  immer wieder daran erinnert haben, das Wort “gekriegt” nicht zu verwenden. Da es Krieg und Kampf impliziere. Warum der Übersetzer hier also nicht statt des ständigen “hingekriegt” ein “hinbekommen” verwendet hat, ist wirklich schade.

Auch stören der gelegentliche Wechsel zwischen Präteritum und Präsens. So heißt es etwa an einer Stelle des Buches: “[…] sagte Bert freundlich und beginnt, mit seinem Schwanz auf das Eis zu klopfen.” Bert ist ein Biber. “Ente” ist merkwürdigerweise das einzige Tier in der Geschichte, das keinen Namen hat, sondern schlichtweg “Ente” genannt werden. Auch das passt nicht so wirklich zu Bert, dem Bieber, oder Rosi, dem Fisch.

Irgendwie springt bei diesem Buch der Funke leider nicht so richtig über. Ein paar störende Stellen, ein Konzept von Hilfsbereitschaft und Mitgefühl, das die anvisierte Zielgruppe zwischen vier und sechs Jahren nicht so ganz erreicht und dann zum Beispiel auch noch die Seiten, bei denen dunkler Text auf dunklen Hintergrund gedruckt ist. Bei schummriger Beleuchtung taugt dieses Buch als Gute-Nacht-Geschichte somit auch nur bedingt

 KURZEINSCHÄTZUNG: “Ente steckt fest” von Zoubida Mouhssin ist ein Kinderbuch, das Mitgefühl und Hilfsbereitschaft zum Thema hat. Ein paar buntere Farben und etwas lebendigere Bildsprache hätten dem Buch ebenso wie eine empathischere Ente aber gut getan. Wirkliches Mitgefühl kommt bei einer teils garstigen Ente nämlich nur wenig auf.  

 

 

Weitere Angaben zu “Ente steckt fest”

  • Titel: “Ente steckt fest”
  • Autorin: Zoubida Mouhssin  / Illustrator: Pascale Moutte-Baur
  • Verlag: Alibri Verlag
  • Seitenzahl: 26 Seiten
  • ISBN: 978-3865692665
  • Preis: 15 Euro
  • Empfohlenes Lesealter: 4 bis 6 Jahre / Kitamaus-Einschätzung: passende Altersangabe

Direkt bestellen könnt Ihr das Buch hier (Amazon-Partnerlink).

Dem Alibri Verlag ein herzliches Dankeschön für die Bereitstellung des Leseexemplars.

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Nadine
Über Nadine 242 Artikel
Freie Journalistin, Redakteurin sowie Geprüfte Übersetzerin für Italienisch - und Mama einer zweijährigen Kitamaus, die das Leben ganz schön spannend macht.

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