Kinderlied soll helfen: So verhält man sich bei einem Schul-Amoklauf

Bei einem Amoklauf sollen Kinder in den Klassenräumen die Türen abschließen, das Licht ausschalten und sich unter Tischen verstecken. (Foto: Artsiom Kuchynski / Adobe Stock)

Amokläufe in Schulen in den USA – zuletzt in Parkland. Ein Kindergarten im US-Bundesstaat Massachusetts versucht nun, schon die Kleinsten auf das richtige Verhalten bei einem möglichen Schul-Amoklauf vorzubereiten – mit einem umgedichteten Kinderlied…

Wiegenlied soll bei Schul-Amoklauf helfen

Zur Melodie zum Einschlaflied “Twinkle Twinkle, Little Star”, die der Melodie des deutschen Liedes “Morgen kommt der Weihnachtsmann” entspricht, sollen die Vorschüler lernen, wie sie sich bei einem Amoklauf zu verhalten haben. Wie unter anderem die “New York Post” berichtete, hatte eine Mutter einen Aushang mit dem umgetexteten Lied bei einer Kindergartenbesichtigung in Somerville gesehen. Georgy Cohen, deren fünfjährige Tochter ab dem Herbst die Vorschule besuchen soll, postete ein Foto des Liedes auf Twitter, schrieb: “Das sollte nicht in der Klasse meines baldigen Kindergartenkindes hängen.”  Mittlerweile wurde ihr Foto mehr als 42.000 Mal geteilt.

Wie Cohen dem “Bosten Globe” mitteilte, verstehe sie zwar die Notwendigkeit des Aushangs, empfand den Kontrast zwischen einem Wiegenlied und einer reellen Sicherheitsbedrohung jedoch als “extrem beängstigend”.

 

So wurde das Lied umgetextet

 

Die Übersetzung ins Deutsche:

“Sperr ab, sperr ab, sperr die Tür ab. Mach das Licht aus, sag nichts mehr.

Geh hinter den Tisch und verstecke dich. Warte, bis es drinnen sicher ist.

Sperr ab, sperr ab, es ist alles vorbei. Jetzt ist es an der Zeit, etwas Spaß zu haben!”

 

“Das ist leider die Welt, in der wir leben”

In einem Statement gegenüber der “New York Post” betonten Somervilles Bürgermeister Joseph Curtatone und Mary Skipper, die Schulaufseherin des Ortes, dass der Aushang die Realität für Schüler in den gesamten USA darstelle. So wie zuvor Feuerschutzübungen seien Amoklauf-Übungen mittlerweile zum Standard an US-Schulen geworden. Ein Ende sei nicht in Sicht. Man bevorzuge zwar, dass die so genannten “school lockdowns” nicht Teil der pädagogischen Erfahrung seien, aber “das ist leider die Welt, in der wir leben.”  Es sei erschütternd für Schüler, für Erzieher und für Familien. Aber “dieser Reim ist ein Beispiel dafür, wie eine unserer Erzieherinnen ein bekanntes Lied nutzt, um ihren jungen Schülern dabei zu helfen, ruhig zu bleiben und sich an die einzelnen Schritte zu erinnern, denen sie bei einer Übung oder in einem wirklichen Notfall folgen müssen.

Kritik von Twitter-Nutzern

Auch Cohen betonte, dass dies Dinge seien, die die Schulen leider tun müssten. “Ich verstehe das.” Allerdings gibt es bei den Twitter-Nutzern neben viel Verständnis auch Kritik. Sowohl an der “gruseligen” Neuversion des Kinderliedes als auch an einer Nation, die nach wie vor ihre Waffengesetze nicht verschärfe…

 

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Nadine
Über Nadine 145 Artikel
Freie Journalistin, Redakteurin sowie Geprüfte Übersetzerin für Italienisch - und Mama einer zweijährigen Kitamaus, die das Leben ganz schön spannend macht.

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