Hoppla – da waren es auf einmal drei

Mittagsschläfchen in trauter Dreisamheit

Ich wollte keinen dritten Kater. Ich wollte mir nur mal das Tierheim anschauen. Das war frisch renoviert und lud zum Tag der offenen Tür ein. Inklusive Häppchen, Sekt und Selters. Zufällig gab es auch einen großen Schwung kleiner Kätzchen. Kleine Kätzchen sind einfach zauberhaft. Man möchte diese wuscheligen und wuseligen Wesen am liebsten alle ans Herz drücken und mitnehmen. Und dann war da ein kleiner weiß-schwarzer Kater. Das Tierchen war bis auf die Knochen abgemagert und lag völlig apathisch inmitten der quietschlebendigen Katzenschar.

Spätestens bei diesem Anblick war meinem Mann und mir klar: Wir gehen nicht ohne Kater nach Hause. Wir hätten es nicht übers Herz gebracht, das kleine Kerlchen zurückzulassen. Die Mitarbeiter des Tierheims waren froh über unsere Entscheidung. Noch ein paar Tage länger, und der kleine Kater wäre höchstwahrscheinlich eingegangen, wie einer der Tierbetreuer sagte. Denn er hatte weder fressen noch trinken wollen. Er hatte sich schon selbst aufgegeben.

So mager er zu Anfang auch war, Spielen ging immer.

Doch wie würden Kater eins und zwei auf ihn reagieren? Im schlimmsten Fall hätten wir den kleinen Kerl ein paar Tage von den anderen beiden abgesondert in einem abgeschlossenem  Zimmer gehalten. Das übliche Verfahren, wenn eine neue Katze in einen Katzenhaushalt Einzug hält. Aber das war nicht nötig. Zip hat ihn beschnuppert und sofort akzeptiert (endlich eine neue kleine Katze ohne Flöhe). Der Kleine durfte ihm sogar die Schinkenwurst vor der Nase wegessen. Jos war zu Beginn weniger begeistert. Aber da ich seine Katzenmama und damit der Boss bin, hat er sich geschlagen gegeben. Er hat den Neuling nur angefaucht, ihn aber ansonsten in Ruhe gelassen.

Das ängstliche Kuscheltier

Soweit, so gut. Blieb nur noch die Namensfindung. Nach drei Tagen war glasklar, mit welchem Namen der Kater durchs Leben stapfen wird: Zushi – ausgesprochen wie Sushi. Denn der Kater aß mit Vorliebe Fisch und Garnelen.

Zushi brachte zur Abwechslung keine Flöhe mit. Dafür aber Infektionskrankheiten. Laut unserer Tierärztin ist das typisch für Tiere aus einem Tierheim. In dem Jahr war ich mit unseren Katzen Dauergast bei der Tierärztin: Erst mit Zushi, dann mit Jos, danach mit Zip. Bei allen drei waren es sehr unangenehme Krankheiten. Bei allen drei dachte ich zeitweise: Das war`s. Finito. Das ist das Ende. Für die Tierarztbesuche, die verschiedenen Behandlungen und diversen Medikamente haben wir locker einen Tausender bezahlt, vermutlich eher mehr. Würde ich wieder ein Tier aus dem Tierheim nehmen? Ja! Definitiv! Zushi war und ist es wert.

Zushi ist ein unheimlich kuscheliger Kater.

Eine anhänglichere, schmusebedürftigere und so dankbare Katze wie ihn kann man sich kaum vorstellen. Zushi braucht seine täglichen Streichel- und Bürsteneinheiten. Er könnte auch so viele Streicheleinheiten kriegen, wie er will.

Sein flauschiges, daunenweiches Fell würde ihn zum perfekten Kuscheltier machen. Leider ist er sehr scheu und ängstlich. Außer mir und gelegentlich meinen Mann lässt er niemanden näher als drei Meter an sich ran.

Gegenüber anderen Katzen ist er jedoch alles andere als scheu und ängstlich. Fremde Eindringlinge vertreibt er unter lautem Gezeter und Gekreische von seinem Territorium. Mit Zip und Jos als interessiert zuschauenden Zaungästen.

Mareike
Über Mareike 18 Artikel
Freie Journalistin und Redakteurin, ab und zu auch Proofreaderin für ein Übersetzungsbüro. Außerdem Mama eines Dreijährigen, der sie liebend gern auf Trab hält.

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