Socken-Odyssee zum Kindergartenstart

Die Sockenodyssee ist zu Ende: Für den Kindergartenstart sind wir mit Socken bestens ausgerüstet. (Foto: Nadine Jansen)

Die Aufgabe? Mehr als einfach! Drei Paar Anti-Rutsch-Socken für den Kindergartenstart. Eins zum Anziehen, zwei als Ersatz im Wäschebeutel. Keine Lizenzware. Bedeutet: Helden aus Comics und TV-Serien sind Tabu. Man wolle keinen Neid unter den Kindern schaffen. Heißt für mich: Mir muss es demnächst gelingen, Minnie Mouse und Paw Patrol in sämtlichen Geschäften gekonnt zu umschiffen. Doch das, so stellt sich kurz vor Kindergartenstart heraus, ist gar nicht so einfach.

Dass Anti-Rutsch-Socken benötigt werden, war schon vorab klar. Standard. Zumindest hier bei uns. Das war schon in der Krippe so, das wird sich im Kindergarten nicht ändern. Doch dann habe ich einen Fehler gemacht. Nun ja, eigentlich zwei. Der erste: Ich habe es bis auf den letzten Drücker  und kurz vor Kindergartenstart aufgeschoben. Der zweite: Ganz spontan habe ich mein Kind mitgenommen.

Die Socken-Odyssee zum Kindergartenstart begann…

Station 1: Der große Versandriese

Bequem auf dem Sofa sitzend, die Liste des Kindergartens in der Hand, futtere ich ein Stückchen Schokolade (okay, auch mehr als eins) und denke, dass sich all meine Sorgen mit ein paar Klicks in Luft auflösen. Es ist Donnerstag. Wenige Stunden nach der ersten Elternversammlung, bei der ein Kind mit Socken ohne Noppen wie zur Demonstration gleich einmal hinter der Elternmenge ausrutschte. Will ich natürlich verhindern, muss ich auch. Suchbegriff eingegeben, auf Enter geklickt, brav auf morgige Lieferungen begrenzt – und dann das: Da gibt es nichts, was mir gefällt. Aber auch so rein gar nichts. Das, was ich gerne hätte, ist zwar für meine Art der Mitgliedschaft gekennzeichnet, aber definitiv nicht so schnell lieferbar. “Sie wollen diesen Artikel bis Mittwoch, 19. September 2018 erhalten?”, werde ich gefragt. Nein nein. Ich klicke auf Aktualisieren – warum auch immer. Nicht Mittwoch, Montag ist Kindergartenstart. Und eigentlich brauche ich die Socken auch schon vorher. Zwischen 8 und 9 Uhr geht es am Montag los! Bequemes Sofasitzen fällt eindeutig flach. Ohne lokales Geschäft geht hier nichts mehr.

Station 1: Das große schwedische Bekleidungsunternehmen

Socken haben wir genug. Nur Anti-Rutsch-Socken sind hier Mangelware… (Foto: Nadine Jansen)

Es ist Freitag. Drei Tage noch bis zum Kindergartenstart. Die Füße über den Sommer weiter gewachsen. Meine nicht, die bleiben natürlich bei 41. Die meiner Tochter schon: 24 statt 23. Die Schuhe heute fast egal. Sie mag nicht laufen. Also schleppe ich das Kind und bin froh, dass wir in einem in der Nähe gelegenen Einkaufszentrum fast alles nah beisammen haben. Jetzt schnell die letzten Einkäufe und der Kindergarten am Montag kann losgehen. Die Socken sind schnell gefunden, die Noppen darunter nicht. Der Blick auf die Internetseite hat vorher nicht viel schlauer gemacht. Doch es muss sie geben. Ganz sicher. Ich hatte doch schon einmal welche von hier. Kleinere. Ich wühle weiter. Irgendwo hier. Ach da. – Nein, doch nicht. Schöne Farben, Mädchenmotive. Nur das, was ich suche, gibt es nicht. Hier wurde bereits gehamstert. Eindeutig! Denn die Socken stehen momentan auf der Einkaufsliste fast jeden Kindergartens. Ich beiße mir kurz auf die Unterlippe. Zu spät. Mist.

Station 2: Eine meiner liebsten Kinderboutiquen

Kind geschnappt, unter den Arm geklemmt und ruckzuck rüber. Eine meiner liebsten Kinderboutiquen. Also im vergangenen Jahr. Dieses Jahr nicht einen Cent ausgegeben. Zu wenig Pink, zu wenig Prinzessinnen. Die kleinen Konsumenten werden anspruchsvoller. Eigentlich gehen wir nur noch zum Stöbern hierhin – und zum Malen. Denn hier hat man mitgedacht: eine Tafel, Kreide und ein Hocker für die kleinen Künstler. Zeit genug, um mir Socken auszusuchen. “Na klar haben wir welche”, sagt die Verkäuferin. Ich lache. Sie fragt nach dem Alter meiner Tochter – in Monaten. Die Socken stellen mich vor ein weiteres Problem. Irgendwann mit 24 Monaten habe ich aufgehört zu zählen. Mehr Monate als die derzeitige Schuhgröße – definitiv. Das Lachen aus meinem Gesicht verschwindet. “Also wir hätten da was.” Die schönen Socken gibt es für Babys von 0 bis 12 Monaten. Die anderen sind leichte Füßlinge – bis zu einem Alter von maximal zwei Jahren. “Dehnbar” verspricht die Verkäuferin. “Wirklich”. Das glaube sie zumindest. Doch von sommerlichen Füßlingen war nie die Rede. Zu klein, zu leicht, zu kurz. Extrem artig legt meine Tochter, deren Füße bei weiterhin sommerlichen Temperaturen noch in Sandalen stecken, die Kreide zur Seite. Schiebt die Hand in meine und lächelt mich aufmunternd an. Ganz so als wolle sie sagen: “Socken, Mama? Das schaffen wir doch mit Links.”

Station 3: Originelles und Maritimes (oder wie ich versuche, Produktwerbung zu vermeiden)

Links des Weges ziehe ich sie in den nächsten Laden. Ich ahne Schlimmes. Fast überall lächelt mich Lizenzware an. Darf ich nicht, gibt es nicht. Doch dann die Überraschung. Die Verkäuferin führt mich zuversichtlich zu einem Drehständer. Socken! Mit Noppen! Ich jubele. Innerlich. Das Mittagessen muss gleich auf den Tisch, es ist schon spät. Die Socken sind in greifbarer Nähe – und um 20 Prozent reduziert. Zwei verschiedene Motive. Immerhin. Eins in Grau mit Wolken (nun ja, aber sind halt Socken), das andere niedlich, in schickem Violett und mit Einhorn. Ein Glücksgriff! Zwei Paar hat die Kitamaus in der Hand, an der Kasse ist nur noch eins vorhanden. Das andere: aussortiert – gnadenlos. Zurück am Ständer. Wildes Kopfschütteln. Das “Pony” (vereinfacht für Einhorn) gefällt ihr nicht. Das will sie nicht. Verhandeln zwecklos und auch nicht gewollt. Die Socken ähneln eh einer Variante für Extremwinter. Die extradicke Ausführung. Und es sind auch ihre Füße. Da kommt nicht alles dran. Auch nicht, wenn es nur Socken sind. Und ja, ich finde, man darf auch Kleinkindern schon gewisse Freiheiten überlassen. Ich mag schließlich auch nicht alle Socken!

Station 4: Die totale Leere

Noch zwei Paar. Schwieriger als gedacht, aber wir nähern uns unserem Ziel. Zumindest fast. Im nächsten Geschäft gibt es (mal wieder) nur einfache Socken. Altersklasse ab drei Jahren. Kindergartenbedarf: Null. Hier sind wir also durch. Ab ins nächste Abenteuer – immerhin aber fünf Minuten Erholung für die Autofahrt. Man kann ja nicht dauerhaft an Socken denken. Das Radio ist an, die Anti-Rutsch-Noppen gehen mir trotzdem nicht aus dem Kopf.

Station 5: Vielversprechender Beginn

Fast gelöst. “Socken mit Noppen? Gleich da vorne!” Die Verkäuferin ist hilfreich, das Kind begeistert – und von den Socken lächelt mich Minnie Mouse entgegenkommend an. Minnie Mouse ist ein gern gesehener Gast bei uns. Eigentlich. Die Größe stimmt. Ich schaue die Socken durch. Nur Minnie. Wirklich nur Minnie? Nein, auch Mickey. Mist! “Die nicht”, sage ich kurz. Die Verkäuferin guckt verwundert. Wollte das Kind nicht auch? Und wie es will! Doch ich schüttele gnadenlos den Kopf! “Aber Kinder wollen doch alle Socken mit ihren Helden”, versucht sie kurz das große Minnie-Aufgebot zu begründen. Ich zucke mit den Schultern. Lizenzware! Geht nicht. Das will der Kindergarten nicht.

Station 6: Das Geschäft nebenan

Die Außentemperatur liegt bei knapp über 30 Grad. Immer noch. Ich schwitze. Bei den Temperaturen würde ich auch gerne nicht laufen. Jetzt trage ich. Das Kind, meine Tasche, nur weiterhin keine Socken. Kurz später hat meine Tochter eine dicke Wollmütze auf dem Kopf (selbst aufgesetzt), aber immer noch nichts an den Füßen. Die Sockenauswahl: groß. Nur Socken mit Noppen, die sind auch hier wieder Fehlanzeige. Nur für Babys, da sind welche vorgesehen. “Große Kinder laufen doch schon sicher”, sagt die zugegebenermaßen extrem junge Verkäuferin. Immerhin haben wir nun ein neues T-Shirt und ein Sweatshirt. Brauchten wir beides nicht, aber irgendwie… Nun ja, ist halt nicht das erste Mal, dass ein gezielter Einkauf genauso endet.

Station 7: Es wird doch wohl nicht Nachmittag?

Zwei Päckchen mit je einem Satz Unterwäsche und einem Paar Socken mit Noppen gehören in den Wäschebeutel unseres Kindergartens. (Foto: Nadine Jansen)

Und dann die Überraschung: Ein Geschäft auf der anderen Straßenseite. Bei uns nicht sonderlich beliebt, aber dann doch der Volltreffer: von Minnie Mouse und anderen Helden einmal abgesehen. Mehr Socken als anderswo. Und tatsächlich etliche davon mit Noppen. Auch für größere Kinder. Ein kleines Sockenparadies. Ungeahnt und plötzlich da. Leichte Söcken mit Noppen (direkt mal zwei gleiche Paar genommen) in Größe 23 bis 25, Socken mit Bärchen (keine Lizenzware) für Kinder im Alter von zwei bis vier Jahren. Katzen auf rosafarbenem und orangefarbenen Hintergrund. Und alles auch noch zu vorteilhaften Doppelpack-Preisen. Sogar Töchterchen ist einverstanden. Katzen sind in Ordnung. Immerhin. Bären auch. Kurz, nur kurz, greift die kleine Hand nach Minnie. Doch dann meldet sich der Hunger. “Basta” sagt sie. Und “Pasta”. Gute Idee. Definitiv. Kohlehydrate brauche ich jetzt auch – und davon eine ganze Menge!

Der Tag vor Kindergartenbeginn

Und dann das: Ausgerechnet im Spielwarengeschäft. Socken mit Noppen ohne Ende. Alle Größen, eine tolle Auswahl für Jungs und Mädchen in allen Größen und mit etlichen verschiedenen Designs (vorrangig keine Lizenzware) und kein Paar teuer als zwei Euro. Auch die Qualität hervorragend. Angenehmes Tragegefühl (vermutlich). Nicht zu dick und nicht zu dünn. Bleibt nur noch die Qual der Wahl: Welche Paare davon kommen in den Wäschebeutel zum Wechseln und welches wird es zum unmittelbaren Kindergartenstart? Das mit dem fröhlich-verrücktesten Lächeln. Vermutlich. Denn genauso fröhlich und verrückt sollte die Kindergartenzeit sein. Und ja, jetzt geht es los!  – Die Kindergärtnerin trug am ersten Tag übrigens Mickey-Maus-Socken…

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Noch mehr Texte rund um Kitakinder? Gibt es hier: http://kitamaus.de/category/kitakinder/

 

 

 

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Nadine
Über Nadine 110 Artikel
Freie Journalistin, Redakteurin sowie Geprüfte Übersetzerin für Italienisch - und Mama einer zweijährigen Kitamaus, die das Leben ganz schön spannend macht.

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