[Rezension] “Opa Rainer weiß nicht mehr” erklärt Demenz

Rezension

"Opa Rainer weiß nicht mehr" ist im Knesebeck-Verlag erschienen. (Foto: Nadine Jansen)

Demenz zu verstehen, ist schon für Erwachsene schwierig. Für Kinder aber noch mehr. Wie soll man einem Kind klar machen, warum sich Oma oder Opa komisch verhalten? Wie soll ein Kind verstehen, was die Erkrankung Alzheimer ausmacht? In dem Kinderbuch “Opa Rainer weiß nicht mehr” von Autorin Kirsten John und Illustratorin Katja Gehrmann wird versucht, dieses Thema so einfühlsam und kindgerecht wie möglich herüberzubringen.

Demenz in einem Kinderbuch

Eine der Illustrationen aus “Opa Rainer weiß nicht mehr”. (Copyright: Knesebeck)

Opa Rainer war für die kleine Mia eigentlich ein toller Spielgefährte. Mit ihm konnte man hervorragend über Frau Frechdachs lachen oder um die Wette rennen. Doch irgendwann wird alles merkwürdig. Opa Rainer kann den Wasserkocher nicht mehr bedienen, er weiß nicht mehr, wofür der Stecker ist und findet seine Schuhe nicht mehr – und das, obwohl Opas Schuhe so auffällig wie leicht zu finden sind. Opa Rainer weiß so vieles nicht mehr. “Mensch Opa” mag die kleine Mia manchmal denken. Denn Opa wird wirklich zusehends merkwürdig. Das Spiel mit ihm verändert sich. Lustig zwar nach wie vor, aber doch auch merkwürdig. Mia wächst mit der Situation. Sie bezieht ihren Opa Rainer nach wie vor mit in ihr Spiel und in ihr Leben mit ein, erklärt ihm die Dinge aber immer wieder neu und hilft ihm, wenn er nicht weiter weiß. Das Buch hält verschiedene Alltagssituationen bereit, wie sie bei Menschen mit Demenz auftreten könnten, mag aber auch Erwachsenen einen neuen Zugang bieten.

Die Schwierigkeit des Vergessens

Opa Rainer und Mia sind ein eingespieltes Team – doch jetzt wird alles anders. (Copyright: Knesebeck)

Das, was als Essenz des Buches hängen bleibt, ist, dass nichts mehr so wird, wie es früher einmal war. Opa Rainer verändert sich. Er wird nie mehr der Opa sein, der er früher einmal war. Das weiß auch Opa Rainer selbst. “Ich bin so dumm. Früher konnte ich so etwas”, äußert er einmal und deutet damit die Wut an, die viele Alzheimer-Patienten empfinden, wenn ihnen alltägliche Dinge nicht mehr gelingen. Die Geschichte ist feinfühlig erzählt, Opa Rainer sympathisch und nachdenklich gezeichnet. Mia wirkt mal verwirrt, mal amüsiert. So wohl, wie ein Kind die Situation mit einem Demenzkranken empfindet. Erst als Opa nicht mehr weiß, wie man auf Toilette geht, ruft Mia erstmals nach der Mama. Solche Schreckenssituationen können im Leben mit einem an Demenz erkrankten Menschen im späteren Verlauf auftauchen. Doch weder zeichnerisch noch erzählerisch wird die Situation überstrapaziert. Stattdessen lernt Mia es, mit der veränderten Situation umzugehen. Früher war eben früher und kommt nie wieder. Alles war unkomplizierter – und es wäre einfach toll, wenn es ein Mittel gegen Vergesslichkeit und fürs Glücklichsein geben würde. Am besten in einem Schokokeks. Denn die essen Mia und Opa immer noch gerne gemeinsam. Doch auch das ist jetzt anders. Ganz anders.

Ein etwas anderes Kinderbuch

“Opa Rainer weiß nicht mehr” richtet sich an Kinder zwischen fünf und sieben Jahren. Ein etwas anderes Kinderbuch sicherlich, das aber gerade für Kinder, die mit Demenz in Berührung kommen, eine gute Hilfe darstellen mag. Auch Mia hat einen Opa, der merkwürdig wird. Auch andere Kinder sind in der Situation. “Opa Rainer weiß nicht mehr” bietet außerdem die Möglichkeit, Kindern ganz konkret aufzuzeigen, was passieren könnte. Und es bietet Anregungen zum Gespräch. Gerade das mag vielen Erwachsenen schwer fallen. Denn wie soll man einem Kind sonst erklären, warum Oma oder Opa merkwürdig werden und warum Vergessenes nie mehr zurückkommt?

*** Kirsten John (Autorin), Katja Gehrmann (Illustratorin): “Opa Rainer weiß nicht mehr”, Knesebeck, ISBN 978-3-95728-064-0, 32 Seiten,  13Euro. Empfohlenes Lesealter: 5 bis 7 Jahre

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Nadine
Über Nadine 110 Artikel
Freie Journalistin, Redakteurin sowie Geprüfte Übersetzerin für Italienisch - und Mama einer zweijährigen Kitamaus, die das Leben ganz schön spannend macht.

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