Harte Kost für Nicht-Veganer: “Freddy, das Glücksschwein”

Rezension

Harte Kost für Nicht-Veganer: "Freddy, das Glücksschwein" von Daniela Wakonigg. (Cover: Joachim Sohn [Alibri Verlag] / Produktfoto: Nadine Jansen)

Früher oder später kommt der Moment, in dem Kinder hinterfragen, wie eigentlich ihr Essen auf den Teller kommt. Kinder, die Tiere lieben und sie wohl niemals essen würden, wenn sie wüssten, aus was das Schnitzel eigentlich gemacht ist – und dass jemand wie Freddy auf ihrem Teller liegen könnte…

Warum Freddy zunächst kein Glücksschwein ist…

Freddy ist ein kleines Schwein, das in einem Mastbetrieb geboren wurde. Eigentlich heißt er zu diesem Zeitpunkt noch 221070. Das ist die Zahl, die in sein Ohr gestanzt wurde. Im Stall ist es dunkel, es gibt keinen Platz zum Spielen und Menschen in weißen Anzügen erschrecken die Schweine. Rote Wärmelampen und grelle Neonlampen sind das, was er den ganzen Tag über zu sehen bekommt – und seine tieftraurige Mutter, die Angst davor hat, dass er und seine Geschwister sie eines Tages verlassen:

“Sie bringen euch weg. So wie sie alle meine anderen Babys weggebracht haben.” (Daniela Wakonigg: “Freddy, das Glücksschwein”)

Und tatsächlich kommt der Tag, an dem Freddy und seine Geschwister weg von der Mutter auf einen LKW getrieben werden. Mit ganz viel Mut und richtig viel Glück gelingt Freddy die Flucht. Er will zurück zu seiner Mama…

Darum geht es in “Freddy, das Glücksschwein”

Das von Daniela Wakonigg geschriebene und von Joachim Sohn illustrierte Kinderbuch “Freddy, das Glücksschwein” soll auf die katastrophalen Bedingungen in der Massentierhaltung aufmerksam machen. Es berichtet aber auch über die Chance für viele Tiere, auf einem Gnaden- oder Lebenshof ihrem Schicksal als Nutztier und vor allem auch der Schlachtung entkommen zu können.

Welches Schicksal ihm selbst blüht, ist dem kleinen Schweinchen Freddy nicht einmal klar, als es sich aus dem LKW zwängt, auf die Fahrbahn stürzt und auf einen solchen Gnadenhof gebracht wird. Er trifft dort den alleinerziehenden Eber Eberhard und seinen Sohn Winfried, die gereizte Henne Ingeborg sowie die tieftraurige Kuh Lillemor und viele andere Tiere. Sie alle eint ein Schicksal: Sie wurden vom Menschen ausgenutzt und ihre Familienangehörigen gegessen.

Freddy ist ein wahres Glücksschwein… (Cover: Joachim Sohn [Alibri Verlag] / Produktfoto: Nadine Jansen)

Harte Kost für Kinder

“Freddy, das Glücksschwein” regt auch Erwachsene zum Nachdenken an. Die düstere Stimmung im Mastbetrieb wird durch die Illustrationen von Joachim Sohn hervorragend aufgefangen, ebenso wie die Mimik der Tiere Ausdruck ihrer Ängste und Sorgen ist. “Menschen essen Tiere” ist eine der Nachrichten, die Freddy auf dem Gnadenhof vermittelt bekommt. Oder auch die Geschichte von Lillemor: “Sie haben meine Milch gestohlen, um sie selbst zu trinken.”

Es ist nicht einfach, dieses Buch zu lesen. Deshalb nicht, weil wir uns mit einer Realität auseinandersetzen müssen, die viele Tag für Tag ausblenden oder nicht hinterfragen. Deshalb aber auch, weil man sich als Elternteil oder Erzieher wirklich fragen muss, ob man nicht vegan lebenden Kindern “Freddy, das Glücksschwein” wirklich vorlesen sollte. Ohne Zweifel handelt es sich bei “Freddy, das Glücksschwein” um ein Buch, das einen kindgerechten Ansatz zur Aufklärung über Massentierhaltung bietet, doch kritisiert es gleichzeitig auch stark den Konsum von Fleisch, Milch oder anderen Tierprodukten: “Es gibt nur wenige, die es schaffen zu entkommen”, sagt etwa Eber Eberhard und weist gleichzeitig darauf hin, dass die meisten Menschen in Tieren nur eine Art Maschine sähen, die Fleisch produziere und an denen man herumexperimentieren könne. Natürlich wird dadurch die großartige Arbeit von Gnadenhöfen wie dem hier so häufig zitierten Butenland unterstrichen. Doch ist diese durchaus nachvollziehbare “Horrorgeschichte”, die das Ferkel Freddy hier zunächst sieht, eben auch eine Art von Horror, bei der man sich gut überlegen sollte, ob man kleinere Kinder in dieser Form damit konfrontieren will. Denn ein wirkliches Happy End wie es in den meisten Kinderbüchern der Fall ist, gibt es in “Freddy, das Glücksschwein” für viele Tiere nicht…

 KURZEINSCHÄTZUNG: “Freddy, das Glücksschwein” von Daniela Wakonigg (Text) und Joachim Sohn (Illustrationen) ist harte Kost für nicht vegan lebende Kinder, hilft aber auch dabei, eine wichtige Frage zu beleuchten: “Wo kommt das Fleisch auf meinem Teller eigentlich her?”   


Weitere Infos zum Buch

  • Titel: “Freddy, das Glücksschwein”
  • Autorin: Daniela Wakonigg, Illustrator: Joachim Sohn
  • Verlag: Alibri
  • Seitenzahl: 32 Seiten
  • ISBN: 978-3865692689
  • Preis: 16 Euro
  • Altersangabe: sechs bis acht Jahre / Kitamaus-Einschätzung: passende Altersangabe, Eltern oder Erzieher sollten sich dieses Buch jedoch unbedingt vorher durchlesen, um dann zu entscheiden, ob sie Kinder damit konfrontieren möchten…

Direkt bestellen könnt Ihr das Bastelbuch hier (Amazon-Partnerlink).

Dem Kinderbuchverlag Alibri vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

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Nadine
Über Nadine 309 Artikel
Freie Journalistin, Redakteurin sowie Geprüfte Übersetzerin für Italienisch - und Mama einer zweijährigen Kitamaus, die das Leben ganz schön spannend macht.

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