Coronavirus in Italien: Leben im Sperrgebiet / Tag 2 von 24

Wisst Ihr, was mir am meisten Gedanken macht? Dass der italienische Zivilschutz am Wochenende verkündet hat, eine Ausschreibung über den Kauf von 5000 zusätzlichen Beatmungsgeräten gestartet zu haben. 5000 Beatmungsgeräte! Natürlich ist das eine reine Vorsichtsmaßnahme, aber die vorhandenen Beatmungsgeräte reichen nicht. Operationen, die nicht unmittelbar erforderlich sind, sind im Regionalkrankenhaus von Ancona ausgesetzt. Nicht nur wegen der dortigen Beatmungsgeräte, sondern auch, weil es an medizinischem Personal fehlt. Und die Situation hier ist bei weitem nicht mit der extrem dramatischen Situation in der Lombardei zu vergleichen.

Und wenn es Euer Opa wäre?

Die Botschaft hier ist knallhart: Sollten nicht genügend Plätze vorhanden sein, wird denjenigen der Vorrang gegeben, die eine bessere Überlebenschance haben. Übertragt das mal auf Deutschland: Euer Großvater kann nicht behandelt werden, weil ein 30-Jähriger statistisch gesehen eine viel bessere Chance hat und vermutlich gar noch Jahrzehnte leben könnte. Da interessiert es nicht, wie sehr sich der alte Mann abgeschuftet hat, wie viele Menschen ihn lieben und brauchen und wie sehr der jüngere Mann allen Warnungen zum Trotz ausgerechnet in Südtirol zum Skifahren war oder das Wochenende in Mailand absolut nicht verschieben wollte und jeden Abend mit Freunden gefeiert hat. Und das regt mich auf!

Soweit muss es nicht kommen, aber es kann soweit kommen. Und dann? Warum passen wir nicht alle für ein paar Wochen besser auf, vermeiden Veranstaltungen, verbringen mehr Zeit zu Hause und schützen auch Ältere, Personen mit Vorerkrankungen oder immungeschwächte Personen?

Tag 2 zu Hause – Das haben wir erledigt…

Wir sind jedenfalls zu Hause. Sicher habe ich auch den Vorteil, dass ich Freiberuflerin bin und diesen Monat keine Termine habe, die sich nicht verschieben lassen. Und viel zu tun hat man doch auch zu Hause, oder? Wir haben heute jedenfalls einiges geschafft:

  • Tatsächlich haben wir erstmals das gemacht, was unser “Stundenplan” vorsieht: Basteln, Vorlesen, das Alphabet wiederholen und ganz viel Puzzeln (bei selbst erfundenen Stundenplänen kann man eine Puzzle-Stunde durchaus einbauen). Bis Montag waren wir ja noch kein Sperrgebiet. Und nach meinem irgendwie gruseligen Besuch im Supermarkt waren wir spazieren und haben Zweige gesammelt. Und da ich nicht davon ausgehe, dass wir vor Ostern groß die Möglichkeit haben, einen Floristen aufzusuchen, haben wir uns selbst einen Osterstrauch gebastelt. Ohne Blätter zwar, aber doch irgendwie so, dass es nach Ostern aussieht. Noch müssen wir ein paar Blumen ankleben. Das Ergebnis (und auch die Anleitung dazu) könnt Ihr dann morgen an Tag 3 sehen.
  • Wir haben Ordnung in die Bücherkiste gebracht. Also richtig Ordnung. Mit Entfernung von Staub, der in der Kiste einfach nichts zu suchen hat. Das bietet auch immer die Möglichkeit, noch einmal ein paar alte Bücher zu lesen. Ganz alte Bücher. Meine Kinderbücher. ?
  • Gearbeitet habe ich auch etwas. Ihr könnt Euch ja schon denken, dass ich gerne schreibe. Und deshalb bin ich auch Redakteurin geworden. Klassischer Weg: Praktika, viel freie Mitarbeit während des Studiums, anschließend das Volontariat. Von der Tageszeitung in Ibbenbüren, bei der ich damals volontiert habe, bin ich gestern auch interviewt worden und habe noch einmal etwas genauer über die Situation hier gesprochen.

Die ehemalige IVZ-Volontärin lebt in Italien und ist seit der Nacht von Montag auf Dienstag zu Hause „eingesperrt“.➡️…

Gepostet von Ibbenbürener Volkszeitung am Mittwoch, 11. März 2020

  • Ich habe geduscht und Haare gewaschen (nicht aufregend, bringt den Tag aber bei langen Haaren auch etwas rum… ?)

Unsere Stimmungslage

Die Grundstimmung ist weiterhin okay. Ist ja nicht das erste Mal, dass man zwei Tage am Stück zu Hause ist. Und ich gebe zu: Ich habe zumindest gestern den ganzen Tag im Schlafanzug verbracht. Hier gibt es auch auf Social Media immer mal wieder Posts, dass es doch auch ganz schön sei, im Schlafanzug die Welt zu retten. ? Aber meine Besorgnis nimmt zu (schaut Euch dazu einfach die Zahlen weiter unten an.)

Der Kühlschrank ist immer noch gut gefüllt (wir dürfen aber auch in die Supermärkte, um aufzustocken). Gestern haben wir noch ein paar Hähnchenschnitzel gegessen. Mindesthaltbarkeitsdatum: 10. März 2020. Wäre irgendwie auch ärgerlich gewesen, wenn wir die unter der Paprika nicht rechtzeitig wiedergefunden hätten. Soweit es irgendwie geht, wollen wir es nämlich vermeiden, zu oft in den Supermarkt zu müssen. Bei den Tomaten habe ich irgendwie Pech gehabt. Extra noch am Montag gekauft, aber einige davon waren bereits gestern angeschimmelt. Keine Ahnung, woran das lag. Passiert mir sonst nie…

Was gestern geschah:  Leben im Sperrgebiet / Tag 1 von 24

Hier geht es bereits weiter zu Tag 3: Leben im Sperrgebiet / Tag 3 von 24

Die Coronavirus-Zahlen vom Abend

Unser Abend-Date: der Fernseher. Bei der Pressekonferenz des Zivilschutzes wurden heute folgende Zahlen für Italien verkündet:

  • 2313 zusätzliche Coronafälle
  • 196 Todesfälle innerhalb eines Tages
  • 41 Personen, die die Krankenhäuser als geheilt entlassen konnten

479 Fälle allein in unserer Region. Bezogen auf die Einwohnerzahl in den Marken von etwas mehr als 1,5 Millionen Personen bekommt es demnach derzeit jeder 3184. in dieser Region. – Dunkelziffer natürlich nicht mit eingerechnet. In der Lombardei ist das Risiko, sich das Coronavirus einzufangen, sehr viel höher. Um die 1500 der heute zusätzlich gezählten Fälle sind in der Lombardei aufgetaucht.

Die Berichte rund um Corona veröffentlichen wir vorrangig in unserer Rubrik Blick ins Ausland. Ihr wollt über Corona derzeit nichts hören oder aber braucht Ablenkung, weil Ihr in Quarantäne sitzt? Dann stöbert doch einmal in unserer Rubrik Spielzeug & Bücher.

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Nadine
Über Nadine 309 Artikel
Freie Journalistin, Redakteurin sowie Geprüfte Übersetzerin für Italienisch - und Mama einer zweijährigen Kitamaus, die das Leben ganz schön spannend macht.

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