Warum Lotta, Anke, Kira, Andrea und Simone in Italien für Verwirrung sorgen…

Bei der Namensgebung sollte man zumindest in Italien auf der Hut sein. (Foto: Adobe Stock /Barbara Helgason)

Zunächst einmal: Ich bin mit einem italienischen Mann verheiratet, der einen deutschen Mädchen-Vornamen trägt: Andrea. Gewöhnungsbedürftig – anfangs. Mittlerweile aber die Norm. So sehr habe ich mich daran gewöhnt, dass ich zuletzt ob der großen Loyalität im Münsterland überrascht war. Da kündigten doch ausgerechnet Stefan und Andrea im erzkonservativen Blatt der Stadt Münster ihre Eheschließung an. Und ich freute mich über ein weiteres, vermeintlich homosexuelles Paar, das so offen zu seiner Liebe stehen konnte.

Beliebteste Jungennamen in Italien

Andrea findet sich zusammen mit Francesco, Mattia und Alessandro regelmäßig in den Top 10 der italienischen Männervornamen. Bei den Mädchen war der beliebteste Vorname im Jahr 2017 Aurora (bedeutet im Italienischen “Morgenröte”, ist in Deutschland hingegen eher als Backmehl bekannt). Andrea ist aber nicht der einzige – in Deutschland weibliche – Vorname, der in Italien als Männername verwendet wird. Dort finden sich außerdem Nicola, Simone und Gabriele. Bei uns im “Palazzo” sind bis auf Gabriele alle vertreten. Alle männlich – na klar. Und jedes Mal sorgt es für Erstaunen, wenn ich erwähne, dass es in Deutschland alles Frauennamen sind: “Wie? Simone ist ein Frauenname? Ernsthaft?”

In Italien merkwürdig klingende Vornamen

Abgesehen aber von den geschlechtsspezifischen Unterschieden in beiden Ländern, gibt es in Italien noch weitere Vornamen, die für Verwirrung sorgen. Einer davon ist “Anke”. Anke wird ausgesprochen wie “anche” – und das heißt im Italienischen “auch”. Mir sind in Italien bereits zwei deutsche Ankes begegnet. Die eine beschrieb ausführlich die schwierige Anfangszeit. Keine Sprachkenntnisse im Italienischen und ganz viele Fragezeichen. Als bei einer Begrüßung der Redner immer wieder “anche” sagte, meldete sie sich – zur eigenen Verwirrung und der anderer – jedes Mal per Fingerzeig. Besonders merkwürdig klingen im Italienischen Aufzählungen. So wie “Viene anche Anke.” – “Anke kommt auch.”

Die beliebtesten männlichen Vornamen in Italien. (Quelle: www.nomix.it / Screenshot N. Jansen)

Nun sind “Ankes” aber eher erwachsen und auch eine “Ira” (italienisches Wort für “Zorn”) taucht erfahrungsgemäß seltener auf. Was aber mit all den kleinen Mädchen, die in Deutschland Kira, Lotta oder Lana heißen? Letzterer ist mir neulich noch in Deutschland auf einem Autoaufkleber begegnet. “Lana” heißt im Italienischen “Wolle”, “Lotta” wird hingegen mit “Streit”, “Kampf” oder “Gefecht” übersetzt. Sogar Astrid Lindgrens “Lotta” läuft in Italien – wohl aus eben diesen Motiven – teils unter einem anderen Namen: “Betta”. Und wer in einem Supermarkt nach einem Jungen namens “Pepe” ruft, wird ganz sicher zum Gewürzregal geschickt. Weiß oder schwarz – auch in Italien gibt es “Pepe” (Pfeffer) in unterschiedlichen Sorten.

Lotta und Kira gehören in Südeuropa nicht zu den Wunschnamen

Das heißt aber nicht, dass Italiener in Deutschland beliebte Vornamen gänzlich komisch finden. Kleine “Lottas” werden in Italien “Carlotta” getauft und “Kira” ist sogar ein extrem beliebter Name. Allerdings nicht für kleine Mädchen, sondern für Hündinnen. “Kira” und “Kiro” (männliche Variante) sind in Italien das, was in Deutschland früher “Bella” und “Bello” waren. Sowohl “Bello” als auch “Bella” sind mir in Italien noch nicht als Hundenamen untergekommen, wohl aber als Kompliment (heißt nämlich “schön” und hat nichts mit Bellen zu tun) sowohl für Mädchen als auch für Jungs. Und Designerin und Beatles-Tochter Stella McCartney würde hier ebenfalls vielen Namensgenossinnen begegnen – sowohl Zweibeinigen (kommt manchmal vor) als auch Vierbeinigen (gern gesehene Alternative zu “Kira”).

Auch in anderen Ländern sind Mädchen-Vornamen so gar nicht weiblich

Auf unserer Hochzeit gab es übrigens noch eine etwas andere Episode. Als ich eine gute georgische Freundin zusammen mit “Uta” in einem ortsansässigen Hotel für ein Doppelzimmer einbuchte, kam tags darauf die höfliche Mail der Hotelleitung. Man habe das Zimmer in ein Zweibettzimmer abgeändert. Die beiden Damen würden sich mit je einem eigenen Bett vielleicht wohler fühlen. Letztendlich durfte “Uta” (georgischer Männername) dann doch mit ins Ehebett – und lernte auf unserer Hochzeit nicht nur meinen Mann Andrea, sondern gleich auch zwei Simones kennen. Gern geduldet von seiner Frau – wir waren schließlich in Italien und nicht in Deutschland…

Eine Übersicht der beliebtesten Vornamen im Jahr 2017 in Italien findet Ihr hier: http://www.nomix.it/news-637-nomi-per-bambini-tendenza-2017.php

Weitere bunte Themen findet Ihr hier: http://kitamaus.de/category/gemischt/

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Nadine
Über Nadine 215 Artikel
Freie Journalistin, Redakteurin sowie Geprüfte Übersetzerin für Italienisch - und Mama einer zweijährigen Kitamaus, die das Leben ganz schön spannend macht.

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