Der Fluch von Mami-WhatsApp-Gruppen

WhatsApp-Gruppen schweigen nie und erwischen Dich überall... (Symbolfoto: Wayhome Studio / Adobe Stock)

Vorab gestehe ich: Ich bin Mitglied in WhatsApp-Gruppen. Gleich in mehreren. In der Mami-Gruppe vom Kindergarten, in einer Mami-Gruppe mit anderen zehn Mamis, die kreuz und quer in Deutschland verteilt sind und Kinder im Alter von ein paar Wochen bis zu drei Jahren haben. Und das ist noch nicht alles.

WhatsApp-Gruppen mit Jedermann

Denn außerdem bin ich in einer Gruppe mit Mamis und Noch-Nicht-Mamis, in der es vorrangig um Kinder und Kinderwunsch geht, in einer WhatsApp-Gruppe mit ehemaligen Kollegen aus der Online-Redaktion (Ihr fehlt mir!), in einer Gruppe mit den besten Schulfreunden (war schön mit Euch!), in einem Chat mit Kollegen eines meiner derzeitigen Auftraggebers (wir sehen uns spätestens Ende Oktober wieder!), in einer Nostalgie-Gruppe mit anderen ehemaligen Kollegen und außerdem noch in einer Nachbarschaftsgruppe (sinnvoll, wenn man nachfragen muss, bei wem die Toilettenspülung oder der Strom gerade auch nicht funktionieren).

Hinzu kommen diverse gelegentliche Gruppen, wenn jemand seinen Geburtstag größer feiern will, Geschenke geplant werden müssen oder mal wieder jemand Likes für einen Fotowettbewerb benötigt (unfair, da immer die mit den meisten Kontakten gewinnen). Bedeutet für mich: Es gibt Tage, an denen ich abends über 200 neue Nachrichten auf dem Handy habe. Babyfotos und Babyvideos inklusive.

Früher war es anders…

Doch zurück zum Anfang: Meine ersten WhatsApp-Gruppen hatten mit Kindern so rein gar nichts zu tun. Da ging es um private Treffen, um Verabredungen. “Wer hat wann Zeit?” “Wer bringt was zum Essen mit?” “Sollten wir nicht unbedingt einmal das neue griechische Restaurant ausprobieren?” “Oder wie wäre es mal wieder mit einem Schwimmbad-Besuch?” Auch die beruflichen Gruppen, die später dazu kamen, waren durchaus sinnvoll: “Wer kann mit mir den Online-Dienst tauschen?”, “Wer übernimmt den Termin am Wochenende?”, “Wann treffen wir uns mal wieder abends in einer Kneipe?” Oder aber: “Ich kann hier gerade nicht weg. Kann mir einer die fehlenden Materialien bringen?” Und auch die Nachbarschaftsgruppe bleibt (von Weihnachts- und Neujahrswünschen einmal abgesehen) auf das Wichtigste beschränkt: “Kommt bei Euch auch nur dreckiges Wasser aus dem Hahn?” und: “Kann uns jemand einen Hochdruckreiniger leihen?”

Der Fluch der Mami-WhatsApp-Gruppen

Der wahre Fluch hingegen sind Mami-WhatsApp-Gruppen. Nicht falsch verstehen: Ich mag viele dieser Mamis in diesen Gruppen – einige sogar sehr. Doch die Nachrichtenflut ist schier unglaublich. Schließlich hat jede Mami viel mitzuteilen, verfügt über eigene Erfahrungen und Tipps und hat ein Baby- oder Kleinkind-Foto ihres Kindes, das mindestens so süß ist wie das, das eine andere Mami gerade einmal fünf Minuten zuvor gepostet hat. Oder aber Bedenken, die die anderen entweder zerstreuen oder gar verstärken.

Problemlösung? Nicht immer…

So schrieb etwa neulich eine der Mamis in der WhatsApp-Gruppe der Kita, dass ihre Tochter beim Abholen geweint hätte. Grundlos aus Sicht der Erzieherinnen. Mit Grund aus Sicht der Mutter. Doch was, wenn eine knapp Dreijährige sich nicht richtig äußert? Der Verdacht der Mutter: “Irgendwas muss da vorgefallen sein. Mein Kind ist sonst nicht so.” Und los gingen die Vermutungen der anderen Mütter. Von “Du übertreibst!” (fand die Ursprungs-Mami gar nicht lustig und griff daraufhin die andere Mami direkt an) zu “Den Verdacht, dass da etwas nicht stimmt, habe ich auch schon länger – mein Sohn wollte neulich gar nicht hin. Wir sollten das unbedingt beobachten.” Dass das Kind am nächsten Tag mit einer Magen-Darm-Grippe zu Hause blieb, wurde in der Gruppe nicht weiter thematisiert. Schließlich möchte man nicht der Überbringer solcher Nachrichten bleiben, sehen doch andere Mütter sofort das geplante Ausflugswochenende gefährdet.

Einige Gruppenmitglieder schweigen ständig…

Auffällig in jeder Gruppe: Einige der Mamis schweigen dauerhaft. Sie äußern sich höchstens dann, wenn es direkt ums eigene Kind geht: “Dieses T-Shirt hier hatte meine Tochter heute in ihrem Rucksack. Gehört das irgendwem?” Ja, auch ich habe so einen Schlüpfer schon wieder an die richtige Besitzerin gebracht und eine kurze Hose wiedergefunden, die in der Kita irgendwann zwischen Vormittag und Mittag verschwunden war: “Wir haben deiner Tochter etwas von ihren Wechselsachen angezogen.” Dann druckste die Kindergärtnerin rum. “Heute war hier so ein Chaos und alle wollten gleichzeitig auf Toilette, dass wir gar nicht mehr wussten, welche Hose zu welchem Kind gehört.” Das wusste auch der Vater des abholenden Kindes nicht. Papis sind außerdem merkwürdigerweise in keiner meiner Kinder-WhatsApp-Gruppen.

Bilder von Papis hingegen schon. Der Papa mit dem Sohnemann auf der Wippe, im Schwimmbad oder beim Fußballspielen. Die Kleinen in der Wippe, auf der Krabbeldecke, in der Badewanne oder mit Freunden auf dem Spielplatz. Aus der anfänglich noch verhaltenen Nachrichtenflut (man tastet sich ja langsam an die Grenzen der Belastbarkeit heran) wurde schnell ein Nachrichtenfluch. So toll es auch ist, direkt miteinander verknüpft zu sein, so anstrengend ist es, wenn im Laufe des Tages mehr als 200 Nachrichten auf ihre Beantwortung warten.

Zugegeben: Einige Fotos sorgen tatsächlich für gute Laune und erheitern gerne auch ein größeres Publikum… (Foto: pololia / Adobe Stock)

Hier ein Beispiel:

Mami 1: “Huhu, wir waren heute zusammen beim Bäcker. Unser Ben hat eine Bretzel gegessen…” (Foto folgt).

Mami 2: “Oh, da hatte aber jemand ordentlich Appetit.”

Mami 3: “Unglaublich, wie groß Ben schon geworden ist [Anm.: Das letzte Foto von Ben war vom Vorabend.] Und dieses verschmitzte Lächeln. Einfach süß.”

Mami 4: “Wie niedlich!”

Mami 1: “Oh ja, und danach hat er sogar noch einen Joghurt vertilgt. Schaut mal, wie er danach aussah”: (Foto folgt).

Mami 2: “Hahaha.”

Mami 5: “Ach, das ist ja heiß. So sah unsere Amelie auch immer aus. Wartet mal, irgendwo habe ich doch noch ein altes Bild….” (Foto folgt)

Mami 1: “Hach, wie herzallerliebst. Aber saut sie sich immer noch so zu?”

Mami 5: “Haha, nein. Glücklicherweise nicht. Sie ist ja nun auch schon fast vier.”

Mami 6: “Da fällt mir ein, dass bei uns die nächste U-Untersuchung ansteht. Weißt Du noch, wie groß Amelie bei ihrer U7 war. Sie ist ja auch eher groß gewachsen.”

Mami 5: “Ich schaue nachher mal. Wir sind gerade auf dem Weg zum Spielplatz. Ich habe auch noch ganz gute Vergleichsfotos. Die suche ich später einmal raus und schicke sie dann.”

Mami 6: “Oh ja, danke!”

Mami 1: “Ben hat jedenfalls die komplette Bretzel gegessen und hier ordentlich rumgekrümelt. Schaut mal, wie es hier aussieht…” (Foto folgt).

Mami 6: “Oh je. Bei uns wird hingegen gerade geschlafen. Schaut mal, wie friedlich sie aussieht, wenn sie in ihrem Bettchen liegt (Foto folgt). Da fällt mir ein: Wir brauchen demnächst unbedingt ein größeres Kinderbett. Was habt Ihr denn da so für Marken?”

Mami 3: “Wir haben das hier:” (Foto folgt)

Mami 1: “Das könnt uns auch gefallen. Gibt es das auch für Jungs?”

Mami 2: Habt Ihr gar keine Angst, dass die Kleinen da rausfallen? Also meine Schwester hat ja so ein Bett für ihre Zwillinge (Foto folgt).

Mami 2: Ist das nicht niedlich mit den Zwillingen? Wir haben sogar noch ein Bild von allen Cousinen und Cousins zusammen gemacht. Hier, schaut mal…” (Foto folgt)

Mami 3, 4 und 5: “Oh, wie niedlich!”

Mami 6: “Sagt mal, ist das Foto von Luna gar nicht angekommen? Irgendwie hat das noch keiner kommentiert…”

WhatsApp-Gruppen sind für Euch...

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Nadine
Über Nadine 311 Artikel
Freie Journalistin, Redakteurin sowie Geprüfte Übersetzerin für Italienisch - und Mama einer zweijährigen Kitamaus, die das Leben ganz schön spannend macht.

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