Coronavirus: Belgien gibt Vollgas und legt das öffentliche Leben lahm

Auch Belgien hat nun im Kampf gegen das Coronavirus drastische Maßnahmen ergriffen. (Foto: peterschreiber.media / Adobe Stock)

Bisher schien das  Coronavirus weit weg zu sein. Die Situation in Belgien mit offiziell “nur” knapp 400 Infizierten (Stand: 13. März)  fühlte sich bislang noch recht undramatisch und in keinster Weise bedrohlich an. Virologen und Vertreter der Bundesregierung mahnten zwar zur Vorsicht, warnten aber vor Panikmache und blieben im Grunde sehr entspannt. Bis gestern Nachmittag.

Am Donnerstagabend (12. März) rief der Nationale Sicherheitsrat den nationalen Notfallplan aus und kündigte drastische Maßnahmen an. Diese Maßnahmen legen das öffentliche Leben bei uns im Land lahm. Damit gibt Belgien auf einmal Vollgas, um das Coronavirus einzudämmen.

Zu den neuen Maßnahmen gehören:

  • Cafés, Diskotheken und Restaurants müssen schließen.
  • Alle öffentlichen und privaten Freizeit-, Sport- und Kulturaktivitäten – unabhängig von ihrer Größe – werden ausgesetzt. Schwimmbäder, Museen, Kinos, Theater, Bibliotheken etc. bleiben dicht.
  • Lebensmittelgeschäfte und Apotheken bleiben wie gewohnt geöffnet. Alle anderen Geschäfte dürfen unter der Woche ihre Öffnungszeiten beibehalten, müssen am Wochenende aber schließen.
  • Arbeitgeber sollten ihren Mitarbeitern wo möglich Home-Office ermöglichen.
  • Älteren Menschen wird empfohlen, zu Hause zu bleiben und gegebenenfalls in den ruhigeren Stunden einzukaufen.
  • Öffentliche Verkehrsmittel werden weiter betrieben, sollten aber nach Möglichkeit nicht genutzt werden.
  • Eine generelle “Ausgangssperre” ist zwar nicht verhängt, aber es wird empfohlen, sich nicht unnötig nach draußen zu begeben.
  • Seit Samstagmorgen (14. März) sind auch Besuche in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen und auch in Gefängnissen untersagt.

Schulunterricht wird ausgesetzt – Krippen bleiben geöffnet

Der Unterricht an Universitäten und den Schulen wird ab Montag ausgesetzt. Es soll aber für bestimmte Eltern eine Betreuung ihrer Kinder organisiert werden. Das gelte vor allem für Berufstätige im medizinischen Sektor oder bei den Sicherheitsbehörden. Es sei wichtig, dass gerade der Gesundheitssektor weiterarbeiten könne, und die Pflegekräfte nicht wegen der Kinderbetreuung zu Hause bleiben müssen, wie Premierministerin Sophie Wilmès bei der Pressekonferenz erklärte.

Auch Eltern, die ihre Kinder sonst nur bei den Großeltern unterbringen könnten, soll eine Betreuung angeboten werden. “Da gerade ältere Menschen zur Risikogruppe zählen, sollen sie nicht mit der Kinderbetreuung beauftragt werden.” Kinderkrippen hingegen bleiben ohne Einschränkung offen.

Diese Maßnahmen gelten vorerst bis zum 3. April.

Premierministerin Wilmès rief alle Bürger auf, dazu beizutragen, dass sich das Coronavirus nicht weiter ausbreitet. Wer krank sei, solle zu Hause bleiben. Darüber hinaus gelten die bekannten Hygieneregeln.

Die Polizei soll über die Einhaltung dieser Maßnahmen wachen. Welche konkreten Strafen bei einer Nichtbeachtung der neuen Regeln drohen, wurde bei der Pressekonferenz aber nicht deutlich.

Zur Wochenmitte wurde bereits landesweit jeder nicht als wichtig angesehene Besuch in Pflege- und Altenheimen verboten – zum Schutz der besonders gefährdeten älteren Mitmenschen. Diese Entscheidung kam als Reaktion auf die bisherigen drei Todesfälle in Folge einer Coronavirus-Infektion. Laut der belgischen Gesundheitsministerin Maggie de Block handelt es sich bei den Todesfällen um ältere Personen im Alter zwischen 73 und 91 Jahren.

Könnten noch schärfere Maßnahmen kommen?

Es hängt alles davon ab, wie sich das Virus verbreitet. In den kommenden Tagen und Wochen könnte die Zahl der Infektionen trotz all der neuen Maßnahmen noch weiter zunehmen. Das erwarten auch Virologen und Gesundheitsexperten. Im schlimmsten Fall wird nun auch ein Lockdown wie in Italien nicht mehr ausgeschlossen.

Die Krankenhäuser sind momentan noch überzeugt, eine mögliche Ausbreitungswelle bewältigen zu können. Laut des Virologen Steven Van Gucht hatte Belgien schlicht mehr Zeit als Italien zur Vorbereitung – und daher mehr Betten auf geschlossenen Stationen für die Behandlung von Coronavirus-Patienten. “Das große Problem aber ist, dass eine Epidemie nicht vorhersehbar ist: Wir wissen, dass die Zahl der Fälle steigen kann und wird, aber nicht, wie stark der Anstieg sein wird. Es können weniger Fälle sein als erwartet. Aber die Situation kann auch aus dem Ruder laufen.”

 

Mareike
Über Mareike 24 Artikel
Freie Journalistin und Redakteurin, ab und zu auch Proofreaderin für ein Übersetzungsbüro. Außerdem Mama eines Dreijährigen, der sie liebend gern auf Trab hält.

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