Öffnungszeiten des Kindergartens: Wie weit sollte man Eltern entgegenkommen?

Kinder zusammen mit einer Erzieherin im Kindergarten. (Symbolfoto: Robert Kneschke / Adobe Stock)

Tag der offenen Tür im Kindergarten. Privater Träger. Ein erstes Kennenlernen der Räumlichkeiten, Vorstellen des pädagogischen Konzepts, der Erzieherinnen und der Öffnungszeiten. Der Betrieb des Kindergartens startet morgens um 9 Uhr, die Kinder können entweder um 12 Uhr, um 13 Uhr (nach dem Mittagessen) oder um 16.30 Uhr abgeholt werden. Flexible Abholungen nur in Ausnahmefällen. Damit nicht zu viel Unruhe in die Gruppen kommt – und damit die Erzieherinnen in Ruhe mit den Kindern ihrer Gruppen arbeiten können. Ohne ständig aus dem Gruppenraum zu laufen, weil Elternteile ihre Kinder dann abholen, wenn es ihnen gerade passt.

Wie flexibel muss ein Kindergarten sein?

Und dann das: Die laute Stimme einer Lehrerin, dass die Öffnungszeiten gar nicht gingen. Überraschtes oder betretenes Schweigen auf der einen Seite, Kopfnicken auf der anderen. Ja, flexiblere Öffnungszeiten wären da schon besser. Doch wie flexibel muss ein Kindergarten sein?

Muss er gewährleisten, dass Eltern ihre Kinder jederzeit abholen können? Müssen Erzieher von frühmorgens bis spätabends zur Verfügung stehen, damit die Eltern der Kitakinder in Ruhe arbeiten und Besorgungen machen können? Ich bin immer wieder erstaunt, wie viel von manchen Eltern verlangt wird. Ihre Gründe sind zwar meist nachvollziehbar, aber selten wird weiter gedacht.

Wenn ich mein Kind flexibel lang in der Kita lassen kann, bedeutet das, dass Erzieherinnen mit Kindern sich ihrerseits um eine weitergehende Kinderbetreuung kümmern müssen. Oder auch, dass sie über ihre Vertragspflichten hinaus mit ihrem Privatleben zurückstecken müssen. Also genau das tun sollten, was Eltern eben nicht wollen. Denn wenn der eigene Arbeitgeber plötzlich Überstunden verlangt, leidet das Familienleben. Warum also wird etwas von Erziehern verlangt, das man selbst – im eigenen Umfeld – gar nicht gut heißt?

Was bringt der Protest der Eltern?

In unserem Kindergarten ist der Protest trotzdem auf fruchtbaren Boden gestoßen. Statt des Ablieferns der Kinder gegen 9 Uhr wurde nun eine flexible Zeit zur Abgabe eingerichtet. Zwischen 8 und 9 Uhr ist für die Kinderbetreuung gesorgt. Im Gemeinschaftsraum des Kindergartens werden die Kinder von wechselnden Erzieherinnen jeden Morgen jeden Morgen gemeinsam betreut. Erst ab 9 Uhr geht es in die jeweiligen Gruppenräume.

Der Vorteil: Die Erzieherinnen des Kindergartens kennen alle Kinder gut. Die Kinder bauen über das Jahr auch zu den Erzieherinnen anderer Gruppen ein Vertrauensverhältnis auf, lernen gruppenübergreifend andere Kinder kennen und schließen neue Freundschaften. Alles natürlich zuträglich für ein gutes Gemeinschaftsgefühl im gesamten Kindergarten.

Und dann das: Die gleiche Mutter beschwert sich wieder. Morgens sei es zu wiggelig, es müsse mehr Personal geben. Gerade ab 8.30 Uhr und bevor es in die Gruppen und zu den eigentlichen Erzieherinnen ginge, sei das Verhältnis der Anzahl der Kindergartenkinder zur Anzahl der betreuenden Erzieher nicht optimal. Und ganz eigentlich stünden die Öffnungszeiten auch im Widerspruch zu den Arbeitszeiten der Eltern. Sie selbst – als Lehrerin tätig – müsse nämlich bereits dann in der Schule sein, wenn der Kindergarten noch gar nicht laufe. Und der Vater des Kindes sei ab und an auf Geschäftsreisen, könne das Kind also auch nicht immer bringen.

Eltern verlangen immer mehr Flexibilität

Was jetzt kommt, ist fast klar: Es wird wieder mehr Flexibilität verlangt. Bei der Abgabe und beim Abholen. Denn auch die festen Abholzeiten kollidieren mit dem Schulunterricht. Wieder lenkt die Kindergartenleitung ein. Wenn vorher bekannt sei, wann es Engpässe gibt, könne das Kind auch vorher abgegeben werden.

Doch muss ein Kindergarten überhaupt derart flexibel sein? Was meint Ihr? Haben Eltern ein Anrecht darauf, dass ihre Kinder genau dann betreut werden, wenn es für sie organisatorisch am besten ist? Und muss ein Kindergarten den Elternwünschen entgegenkommen? Das Problem dabei ist doch wirklich, dass es dann keine Grenzen gibt. Die Lehrerin benötigt eine Kinderbetreuung ab 7.30 Uhr. Der Büroangestellte gerne auch schon etwas früher – und das Krankenpflegepersonal im Frühdienst meist auch schon weit vor 6 Uhr. Von Bäckern und Konditoren sprechen wir an dieser Stelle mal lieber gar nicht erst…

Wir sind auf Eure Meinung gespannt… 

 

Bildnachweis: Robert Kneschke / Adobe Stock




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Nadine
Über Nadine 311 Artikel
Freie Journalistin, Redakteurin sowie Geprüfte Übersetzerin für Italienisch - und Mama einer zweijährigen Kitamaus, die das Leben ganz schön spannend macht.

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